04. Juli 09

Medienresonanzanalyse. Jederzeit für jedermann.

Google hat seit einiger Zeit ein neues Feature, das mir schon einige Male gute Dienste erwiesen hat. Ich gehe auf Google News, klicke unten links auf Archiv und gebe dann in das Suchfenster meinen Begriff ein. Jetzt kommt nicht nur die übliche Liste aller Nachrichtenarchiv-Treffer, sondern im Kopf ein Schaubild, welches die zeitliche Streuung der Treffer nach Monaten oder Jahren anzeigt.  Erfasst wird der Mediendruck von mehr als 700 Quellen im deutschsprachigen Raum.  Als Beispiel sieht man untenstehend den Begriff „toxische Papiere“, der Mitte 2008 wie ein Komet aus dem Nichts in den Schlagzeilen der Medien aufsteigt.

 Blog-News-07-09

Bei Bedarf bekomme ich so eine sekundenschnelle Resonanzanalyse zum Nulltarif. Klar, man sollte die Trefferverteilung nur als Tendenz nehmen und mit Vorsicht genießen, aber dennoch können die Ergebnisse höchst aufschlussreich sein. Tippe ich beispielsweise das Unternehmen meines Kunden, sein Produkt, seinen Hauptkonkurrenten, seine Branche oder einen anderen relevanten Begriff ein und dieses Schlagwort hat „News Value“, dann erkenne ich sofort, wie heiß das jeweilige Thema in der Vergangenheit war und wann Siedepunkte erreicht wurden.

Überraschung! Nicht wenige meiner Kunden fallen aus allen Wolken, wenn ich ihnen das Ergebnis zeige. Sie lassen zwar alle einen eigenen Pressespiegel zusammenstellen, aber es ist übliche Praxis, nur mal kurz die Schlagzeilen zu überfliegen. Eine gründliche Auswertung und Analyse der Resonanz ist eine Ausnahmeerscheinung.

Kommentare

Hallo Herr Schmidbauer,

leider kann ich den Link Archiv auf news.google.de nicht finden. Wo genau ist der denn versteckt.

Beste Grüße nach Berlin.

Stephan Popp

http://www.aycan.de

Hallo Herr Popp,

Sie müssen in Google News einen Begriff eingeben und auf Suche klicken. Erst mit der Ergebnisliste kommt seitlich der Navigationspunkt „Archive“ ins Bild.

Gruß. Klaus Schmidbauer

25. Juni 09

Horror Ratio

Mein Kunde ist Ingenieur. Sein Unternehmen baut und verkauft Maschinen. Er brennt für seinen Job und kann stundenlang von den technischen Finessen seiner Maschinen schwärmen. Mein Kunde hat Grundsätze, was an sich nicht verkehrt ist. Aber einer seiner Grundsätze lautet, dass seine Kunden ihre Kaufentscheidung rational treffen. Die Folgen sind dramatisch: Er besteht darauf, Broschüren und Website mit Daten, Fakten, Diagrammen und Tabellen zu überfrachten.  Je mehr desto überzeugender, sagt er. Und wenn ein Foto, dann nur die Maschine pur. Keine Macht der Welt kann ihn von dieser Überzeugung abbringen, am allerwenigsten der poplige Konzeptioner Klaus Schmidbauer.

Ich gestehe, ich bin mit meinem Latein am Ende. Ich versuche meinem Kunden seit Wochen vergeblich klarzumachen, dass es keine Entscheidung gibt, die rein rational getroffen wird. Auch keine Maschinenkaufentscheidung! Rationalität ist ein Trugbild. Auch bei der Kaufentscheidung im Business to Business-Bereich spielt das Bauchgefühl eine wichtige Rolle. Ohne die richtigen emotionalen Schwingungen kein Kommunikationserfolg, sage ich.

Der Mensch ist nicht rational, er kann gar nicht rational sein, weil seine Leitzentrale oben im Kopf ganz anders konstruiert ist. Ein Ingenieur müsste das eigentlich verstehen!  

Allerdings wäre das andere Extrem, nämlich pure Emotion, auch der falsche Weg. Denn jeder Mensch hat irgendwo tief drinnen einen unstillbaren Hang zur Rationalität. Folglich ist es für die gute Kommunikation unerlässlich, immer die passenden Erklärungsmuster mitzuliefern.  Solche gut austarierten Erklärungsmuster haben aber nichts mit Daten- und Faktensammlungen zu tun.

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Da kommen mir (als Ingenieur) spontan zwei der markigsten Sprüche von David Ogilvy (1911-1999) in den Sinn:
"The more informative your advertising, the more persuasive it will be."
"You cannot bore somebody into buying."
Erst die Kombination dieser beiden Weisheiten führt zum Erfolg.

10. Juni 09

Halt, wer da? Mittler oder Absender?

Das Unternehmen will mit systematischer Kommunikation für ein innovatives Produkt neue Kunden gewinnen. Die neuen Kunden sind die Adressaten der Kommunikation.  Auf dem Weg zu diesen Adressaten stehen entlang der Strecke andere Zielgruppen, die es einzubinden gilt, um möglichst schnell und überzeugend ans Ziel zu kommen. Methodisch lassen sich diese wegbereitenden Gruppen in zwei Segmente unterteilen:

Zielgruppen mit Mittlerfunktion – in der Regel Medien, Meinungsbildner, Experten, Absatzmittler etc.

Zielgruppen mit Absenderfunktion – in der Regel Mitarbeiter, Aufsichtsräte, Angehörige, Berater etc.

Wie unterscheidet man Mittler und Absender? Die Abgrenzung fällt vielen schwer. Ich starte deshalb einen einfachen Erklärungsversuch.

Das Unternehmen bestimmt für sein Kommunikationsobjekt (innovatives Produkt) die Positionierung und zeigt auf dieser Position Flagge. Alle Personen und Personengruppen, die sich als Mitstreiter hinter diese Flagge scharen und sich zur Flagge bekennen, die haben Absenderfunktion. Wenn ein Adressat diese Personen anspricht, dann sagt er:“ Hey, ihr gehört doch auch zu diesem Laden. Ihr habt doch da dieses innovative Produkt …!“ - Es wäre für die Kommunikationsautorität eines Unternehmens fatal, wenn die Angesprochenen auf eine solche Anfrage nur mit den Achseln zucken. Das Unternehmen muss sie auf die Flagge einschwören.

Die Absender werden als Partei gesehen. Die Mittler sind dagegen im Grundsatz unabhängig. Ihnen gesteht man eine neutrale Schlüsselstellung zu, was ihre Glaubwürdigkeit enorm erhöht und einen enormen multiplikatorischen Effekt generiert. Wenn ein Adressat einen typischen Mittler anspricht, dann sagt er: „Du kennst dich doch auf dem Markt bestens aus, was ist denn von dem Unternehmen und seinem innovativen Produkt zu halten …“

Zielgruppen in Mittlerposition und Zielgruppen in Absenderposition sind fast immer im Spiel, wenn es um Kommunikation geht. Sie spielen aber jeweils eine andere Rolle im Kommunikationsprozess. Deshalb brauchen beide Gruppen entsprechend maßgeschneiderte Argumente, Kanäle und Maßnahmen. Ohne eine klug differenzierende Strategie würde man auf dem Weg zum eigentlichen Adressaten schnell in eine aussichtslose Position geraten.

28. Mai 09

In Agenturen gehen Uhren anders

Ich sitze mutterseelenallein im Besprechungsraum einer Agentur und  warte. Um 15 Uhr war die Teambesprechung angesetzt. Jetzt ist es genau 15:07 Uhr - und außer mir ist keine Seele im Raum.

Eine Ausnahme? Nö, die Regel! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man es in PR- und Werbeagenturen nicht so genau mit der Zeit nimmt. Meetings (an denen kein Kunde  beteiligt ist) beginnen nur selten pünktlich.  Zum festgelegten Termin ist niemand zur Stelle.  Es geht erst  5, 10 oder 15 Minuten später los. Und bis der letzte Nachzügler in der Runde sitzt, vergeht  eine halbe Stunde oder noch länger. Diesen Hang zur  Verspätung erlebe ich nicht nur in Berliner Agenturen, es scheint eine deutschlandweite Epidemie zu sein. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin direkt betroffen, weil man von mir als externen Freelancer Pünktlichkeit erwartet.  Folglich sitze ich öfter  mal  mutterseelenalein in leeren Besprechungsräumen und frage mich: Sind die notorischen Verspätungen  vielleicht eine Art Freiheitsritual  der Mitarbeiter oder liegt es am permanenten Agenturdauerstress oder ist es  schlichtweg nur eine schlechte Angewohntheit?

 

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Endlich wird mal ein Wort darüber verloren - in unserer Agentur handelt es sich meist auch um mehr als 15 Minuten Verspätung. Bei einigen liegen dann die Nerven blank, bei anderen erklingt ein routiniertes "ist-doch-klar"-Gelächter.

Meine Vermutung: Alle kommen später, weil jeder darauf wartet, dass der andere den ersten Schritt in den Meeting-Raum tut.

12. Mai 09

Plädoyer für Bruchstellen im Lebenslauf

Am Rande einer Vorlesung wurde ich von meinen Studenten auf Brüche und Lücken im Lebenslauf angesprochen. Wie stark beeinträchtigen solche „Makel“ die Karrierechancen?  Eine spürbare Verunsicherung schwang in der Frage mit.

Ich persönlich halte nichts von den Glaubenssätzen einschlägiger Karrieremoralapostel, die stromlinienförmige Biografien zum obersten Ideal stilisieren. Lasst euch bloß nicht einschüchtern und auf Linie kriegen!

Erst kommt das Leben - und dann die Karriere. Ich verstehe das als Aufforderung, die Biografie lustvoll zu brechen, wenn es euer Leben fruchtbarer macht. Ihr bekommt beispielsweise die Chance, eine Zeit lang bei einem großen Filmprojekt mitzuarbeiten, obwohl das nicht auf eurem direkten Karriereweg liegt? Nicht zögern, machen! Ihr wollt zwischen zwei Arbeitsstellen ein halbes Jahr Lücke lassen, um rund um die Welt zu reisen? Habt Mut zur Lücke!  Ihr werdet auf der neuen Stelle gemobbt, sodass die Arbeit zur Qual wird? Falls alle Klärungsversuche scheitern: Kündigen! Auch wenn sich schnelle Wechsel in Lebensläufen angeblich nicht gut machen. 

Ich kenne eine Menge Leute, deren Biografie voller Brüche ist - und die beruflich ausgesprochen erfolgreich sind. Gerade die Brüche haben sie weiter gebracht und schlauer gemacht. Gerade zwischen den Lücken ist Reibung und Kreativität entstanden. Deshalb mein guter Rat: Schickt besagte Karrieremoralapostel in die Wüste! Und ich setze noch eins drauf: Falls ihr im nächsten Bewerbungsgespräch auf einen Personalleiter trefft, der ausdrücklich betont, wie viel Wert sein Unternehmen auf eine perfekt gebügelte Karrierebiografie legt, dann sollten eure Alarmglocken schrillen. Es sind Zweifel angebracht, ob ihr euch und euer Können in diesem Laden wirklich voll entfalten könnt.


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... kann ich nur unterschreiben. Wichtig ist allerdings dann auch, zu diesen Unternehmungen oder "Brüchen" zu stehen und schlüssig was dazu zu sagen.

Nicht etwa Weltreise machen und im Bewerbungsgespräch dann die pflegebedürftige Oma erfinden. Oder spannendes Filmprojekt annehmen und auf Frage, warum man das unbedingt machen wollte und sogar was anderes abgebrochen hat, rumstottern und "Gute Frage" murmeln :-)

Kann ich nur bedingt unterschreiben. Denn bei großen Unternehmen und insbesondere bei Einstiegspositionen wird der komplette Bewerbungsprozess i.d.R. von Personalern gesteuert. Die haben aber sowas von 0,0% Ahnung von Kommunikation, dass sie sich ausschließlich an dem stichwortartigen Profil der Komm.-Abteilung orientieren, das wiederum i.d.R. auch nicht besonders durchdacht ist. Es wird unterschätzt, wie wichtig - eben aufgrund der Einstellungsprozesse - die Einhaltung bestimmter Standards im CV ist: 2-3 Praktika, Auslandsaufenthalt, gute Noten, schnelles Studium.

08. Mai 09

Schwindelgefühle

 

AUF - EZB liefert Lichtblick für die Konjunktur – Die Konjunktur im Euro-Raum wird sich nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank 2010 allmählich erholen. (9. April 2009, Handelsblatt)

…UND ABIndustrie schrumpft im Rekordtempo – Die Rezession schlägt voll auf die deutsche Industrie durch. Die Umsätze des verarbeitenden Gewerbes brauchen im Februar so stark ein wie seit Beginn der Datenerhebung nicht. (14. April 2009 – Financial Times Deutschland)

AUF… - DIW sieht Konjunkturbesserung - Das Deutsche Institut für WirtschaftsforschungFotolia_4153836_XS rechnet zum Jahresende mit einer Stabilisierung der Konjunktur (15. April 2009 – Financial Times Deutschland)

…UND ABWirtschaft schrumpft um sechs Prozent - Die Lage ist ernster als bisher gedacht. Führende Ökonomen servieren der Kanzlerin beim Konjunkturgipfel düstere Zahlen. (22. April 2009 – Zeit Online)

AUF… Steigender Ifo-Index kündet von Optimismus - Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im April überraschend stark aufgehellt. (24. April 2009 – FAZ.net) 

…UND ABBundesfinanzen brechen weg – Wegen der dramatischen Talfahrt der Konjunktur geraten die Staatsfinanzen nach Einschätzung der Experten weiter aus den Fugen. (24. April 2009 – Reuters Deutschland)

AUF…- G7 schüren Konjunkturhoffnung - Die führenden Industriestaaten sehen in der Wirtschaftskrise das Schlimmste überstanden.  (25. April 2009 – Financial Times Deutschland)

..UND ABHoffnung auf baldige Konjunkturwende schwindet - Inmitten der tiefsten Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg schwindet die Hoffnung auf ein baldiges Anspringen der Konjunktur (04. Mai 2009 – Reuters Deutschland)

AUF…Hoffnung für die Weltwirtschaft -  Weltweit mehren sich die Anzeichen für ein baldiges Ende des dramatischen konjunkturellen Absturzes (08. Mai 2009, 10:00 Uhr  - Financial Times Deutschland)

…UND AB - Angst vor Wirtschaftskrise wächst sprunghaft - Lange ließ die Finanzkrise viele Deutsche kalt.doch jetzt geht die Angst um: Laut einer aktuellen Studie fürchten die Bürger vermehrt um ihren Arbeitsplatz, auch die Sorge wegen der Konjunkturlage nimmt drastisch zu. (08. Mai 2009. 14 Uhr - Spiegel Online)

AUF…

…UND AB

(Foto: Copyright Fotolia)

26. April 09

Vorwort ist Mord

Ich habe gerade ein Vorwort formuliert, als Ghostwriter versteht sich, denn kein Häuptling schreibt seine Vorworte selbst, dafür ist seine Zeit viel zu schade. Vorwort schreiben ist wie Zuckerwatte machen, und gehört nicht gerade zu den Lieblingsaufgaben eines Konzeptioners. Aber ich stand bei meinem Kunden in der Pflicht und außerdem gab es ein üppiges Honorar. Ich gestehe allerdings frank und frei, dass ich nicht viel von Vorworten halte.  Um es mit den Worten meiner schwäbische Großtante zu sagen: Sie sind überflüssig wie ein Kropf.

Aber dennoch sprießen die Vorworte aus vielen Drucksachen, es ist ihnen nicht beizukommen. In meinungsbildenden deutschen Zeitungen lag unlängst in millionenfacher Auflage eine mehrseitige Beilage, die auslobte, was ein Ministerium alles für die Bürger tut. Mit einem Vorwort des Ministers. Auch die Kundenzeitung unseres Shoppingcenters ist stets mit einem Vorwort des Centermanagers aufgemacht. Das Programm zum Unternehmensjubiläum eines Berliner Dienstleisters zieren gleich sieben Vor- und Grußworte auf einen Streich. Ich schlage die Imagebroschüre eines Weltunternehmens auf, und siehe da, wer hätte das gedacht, auf der ersten Doppelseite: das Vorwort des Vorstandsvorsitzenden. Sogar manche Website lässt es sich nicht nehmen, das Nutzerinteresse gleich auf der Homepage durch eine Art Vorwort zu drosseln.  

Ich behaupte, Vorworte werden von niemanden (außer vom Korrektor) gelesen. Manchmal hat nicht einmal der Vorwortunterzeichner selbst sein Vorwort zur Kenntnis genommen.  Da drängt sich die Frage auf, warum so viele Drucksachen mit einem Vorwort eröffnen? Weil es beim Vorwort nicht um den textlichen Inhalt, sondern um den gesellschaftlichen Ritus geht. Vorworte sind eine Art ritueller Ehrerbietung für den Anführer. Er darf immer vorangehen – auch in gedruckter Form. Das gehört sich so. Das ist ähnlich wie in vielen Unternehmen, wo die untergebenen Mitarbeiter in Sitzungen streng darauf achten, erst nach ihrem Chef die Jacketts abzulegen.

Kommunikationsstrategisch sind Vorworte ein großes Ärgernis. Erstens werden sie nicht gelesen, man hätte das Papier sparen oder den Raum mit lesenswerten Inhalten füllen können. Zweitens stehen Vorworte immer ganz vorne. Durch eine attraktive Titelseite stimuliert, schlägt der Interessent die Drucksache auf … und fällt in das leere Loch des Vorworts. Statt also das Interesse auf der wichtigen Einstiegsseite zu stärken, bekommt es einen Dämpfer. Daraufhin steigen die Ersten gleich wieder aus und alle anderen blättern mit gebremstem Elan weiter. Durch das Festhalten am Ritus des Vorworts verschenken viele Drucksachen spürbar an Aufmerksamkeit. Dabei ist Aufmerksamkeit so selten und wertvoll wie pures Gold. Aber wage einer, vorzuschlagen, das Vorwort wegzulassen. Ich habe es versucht. Entrüstete Abwehr war die Folge. Es war, als hätte ich gesagt: Der Kaiser ist nackt!


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Noch Ende der 90er Jahre gab es Vorworte auch noch online. Damals war ein großes Industrieunternehmen Kunde der Agentur in der ich online Konzepte entwickelte.

Jedesmal mal wieder, wenn eine Website für einen Unternehmensbereich neu gemacht werden sollte, war eine Anforderung des Kunden, dass auf der Startsteite der Bereichsvorstand mit Foto und Grußwort auftauchen sollte, denn so war es auch in den gedruckten Selbstdarstellungen.

Das fand erst ein Ende, als der Gesamtvorstand das Ziel ausgab, so gut zu werden wie ein internationaler Konkurrent. Von da an lasen sich die Anforderungen mehr wie: machen sie das, was die machen. Das war dann zwar besser, aber immer noch nicht gut.

07. April 09

Maßnahmen sind nur Mittel zum Zweck

„Ach Herr Schmidbauer, unsere Kommunikation kommt nicht mehr richtig voran. Können Sie nicht ein paar neue Maßnahmen vorschlagen?“ Oh, wie ich solche Fragen hasse! Tut mir leid, aber es kommt in Marketing- und Unternehmenskommunikation nicht auf die Mittel und Maßnahmen an! Sie sind nur Mittel zum Zweck. Wer die Kommunikationswelt aus der Froschperspektive der Maßnahmen betrachtet, der bekommt keinen Überblick und muss um jeden Erfolg hart kämpfen.

Auch wenn viele praktisch veranlagte Kommunikationsleute jetzt mit dem Kopf schütteln, ich schätze die Proportionen völlig anders ein – nämlich so: Sobald die Kommunikationsstrategie auf den Punkt kommt und die kreative Idee gut ist, dann funktioniert fast jede (professionell gemachte) Maßnahme, sofern sie sauber an der Strategie ausgerichtet ist. Egal welche! Mit einer guten Strategie kann man wenig falsch machen. Wenn dagegen die strategischen Linien schief und die Ideen lasch sind, dann tun sich fast alle Maßnahmen schwer, selbst die Allerbesten bleiben weit unter ihren Möglichkeiten. Gute Kommunikation muss folglich immer von Strategie und Kreation aus gedacht werden und ausnahmslos nie aus der Richtung der Maßnahmen.

 

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Good post.

30. März 09

Mein Déjà vu

Vor langer, langer Zeit, im Jahre 1986 fand in Berlin eine Mixtur aus Messe und Workshop für innovative Unternehmer unter dem Titel „BIG-Tech´86“ statt. Ich habe damals zusammen mit einem Kollegen die Pressetexte für die begleitende Kommunikation verfasst. Keine Ahnung, worum es bei den Texten inhaltlich ging, in meinem Gehirn sind keinerlei Spuren zurückgeblieben. Nur ein kleiner Fehltritt hat bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Als ich die Texte im Messebüro in der Weddinger Ackerstraße vorstellte, handelte ich mir herbe Kritik ein, weil in meinem Manuskript mehrere Male der Begriff „innovativ“ auftauchte. Dieser Begriff sei ziemlich abgegriffen, floskelhaft und langsam aber sicher von der Zeit überholt, erklärte man mir mit Nachdruck. Die verantwortliche Projektleiterin legte mir ans Herz, ich solle doch noch einmal in Ruhe nachdenken, ob es da nichts Treffenderes gäbe. Warum ich diese verstaubte Reliquie ans Licht meines Weblogs zerre? Abwarten, gleich kommt´s!

Dreiundzwanzig Jahre später.

Ich war heute Vormittag auf einem Kundentermin und stellte ein kleines Konzept vor. Alles lief blendend – bis auf einen kleinen Fehltritt. In meinem Konzept tauchte immer mal wieder der Begriff „innovativ“ auf. Allgemeines Kopfschütteln. Dieser Begriff sei ziemlich abgegriffen, floskelhaft und langsam aber sicher von der Zeit überhInnovativolt, erklärte der Kunde und ersuchte mich, im gesamten Konzept „innovativ“ zu streichen und durch einen passenderen Begriff zu ersetzen.  

 

 

 

 

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Da bin ich voll d'accord! "Innovativ" ist auch für mich eine Worthülse ohne jeden Inhalt. Falls ein Produkt oder eine Dienstleistung wirklich etwas bahnbrechend Neues hat, kann man das sicher auch anders formulieren.

Aber zugegeben: Es gibt auch Kunden, die immernoch voll darauf stehen. Und es ist meistens nicht möglich, diesen das auszutreiben.

Aber der Kampf geht weiter !!! ;o)

23. März 09

Im Sehtest durchgefallen

Man muss mit der Brille der Zielgruppe auf die Welt schauen. Das versteht sich im modernen Marketing eigentlich von selbst - und ist doch alles andere als selbstverständlich. Kommunikationsmanager und Marketingprofis haben große Probleme mit dem Perspektivwechsel. Viele sind partiell blind für die Sichtweisen ihrer Zielgruppen und kommen folglich immer wieder vom richtigen Weg ab.

Diagnose: Konkurrenzkurzsichtigkeit – Die Firma  A bietet Energieberatung für Hausbesitzer. Als Mitbewerber werden die fünf anderen Beratungsanbieter der Region gesehen. Andere Konkurrenz nimmt man nicht ins Visier, denn sonst hat keiner die Kompetenz, eine solche Beratung perfekt durchzuführen. Durch die Brille der Zielgruppe zeigt sich auf den ersten Blick, dass die Hausbesitzer nicht erkennen können, wer kompetent ist und wer nicht. Sie wählen stattdessen das Naheliegende und wenden sich zuerst an ihren Energieversorger, ihren Heizungsinstallateur oder ihren Architekten. Von spezialisierten Energieberatern ist in den Köpfen der Zielgruppe keine Spur.

Diagnose: Benefitblindheit – Die Firma B verkauft Werkzeugmaschinen. In ihrer Kommunikation steht ein „Benefit“ immer an erster Stelle: die hohe Umdrehungszahl der Maschinen. 3% schneller als alle anderen, darauf sind die Techniker stolz und voll fixiert. Doch mit der Brille der Zielgruppe wird die hohe Drehzahl eher mit Skepsis gesehen. Die potenziellen Abnehmer argwöhnen, dass die Geschwindigkeit auf Kosten der Präzision gehen könnte. Aus diesem Grund sehen Abnehmer die Qualitätssicherheit an erster Stelle.

Diagnose: Profitschielen - Die Ist-Umsätze der Firma C fallen im Laufe des Jahres immer weiter hinter den Soll-Vorgaben zurück. Im letzten Quartal ergreift den Vertrieb die Panik. Mit aggressiven Anrufen versucht man die Kunden zu schnellen Abschlüssen zu bewegen und hat kurzfristig Erfolg. Auf lange Sicht sieht die Sache ganz anders aus. Mit der Brille der Zielgruppe stellt sich heraus, dass viele Kunden genervt sind und überlegen, im nächsten Jahr den Anbieter zu wechseln.

08. März 09

Und noch ´ne Blase.

Sonntagnachmittag, keine Telefonanrufe, nicht eine E-Mail, die Familie ist ausgeflogen und ich kann mich in Ruhe auf meinen nächsten Vortrag vorbereiten. Hoffentlich läuft der reibungsloser als beim letzten Mal (siehe Blogeintrag „Zeit ist relativ“).

Für den Vortragseinstieg habe ich mir aus verschiedenen Quellen ein Diagramm zusammengebastelt. Ich weiß, methodisch ist das keineswegs sauber, was ich da ins Schaubild setze, aber dennoch ist das Ergebnis aufschlussreich und gibt zu denken.

   Blog-Werbeblase

Die Ausgaben für TV-Werbung sind von 582,5 Mio. Euro im Jahr 1981 auf 8276,1 Mio. Euro im Jahr 2008 steil angestiegen. Wie schön für die Medien und die Werbebranche, möchte man meinen. Oder? Mir kommen Zweifel. Immerhin wurden 2003 in Deutschland jeden Tag unübersehbare 7378 Spots ausgestrahlt. Seitdem hat sich das Marktvolumen noch einmal mehr als verdoppelt, entsprechend dürfte also auch die Spotflut neue Rekordmarken erreicht haben. Aktuelle Daten dazu konnte ich allerdings nirgendwo finden. Die Branche boomt - und hat anscheinend die Bodenhaftung verloren. Denn eins ist nicht gestiegen, und kann auch gar nicht steigen. Das ist unsere bewusste Aufnahmefähigkeit, von der Wissenschaftler sagen, sie sei extrem begrenzt, ein Flaschenhals in unserem ansonsten so leistungsfähigem Gehirn. Und jetzt kommt der Punkt: Schon ganz am unteren Ende der Kurve, im Jahr 1987, vor dem großen Boom, blieben nur ganze 3 von 100 TV-Spots im Gedächtnis.

Es ist in den letzten Wochen und Monaten viel von Blasen die Rede, und wenn ich dieses neue Modewörtchen richtig verstanden habe, dann dürfte zwischen TV-Werbeumsätzen und Wahrnehmungswerten eine prächtige Blase entstanden sein, wie obiges Schaubild vor Augen führt. Fragt sich, wann und wie die Blase platzt? Und wie tief die Medien- und Werbebranche danach fällt?

(Quellen: ZAW 1984, ZAW 2004, Nielsen Media Research 2009, „Marketing- und Unternehmenskommunikation“ von Prof. Manfred Bruhn 2007)

21. Februar 09

Zeit ist relativ

Neulich wurde ich zu einem Vortrag eingeladen. Mein Thema war – wie konnte es anders sein – die Konzeptionstechnik. Man teilte mir mit, dass die Veranstaltung um 18 Uhr begänne und dass mein Beitrag als Erster von mehreren Vorträgen an der Reihe wäre. Als Vortragszeit bekäme ich eine volle Stunde. Das wird eine leichte Übung! So dachte ich bei mir. Blogzeitspruch

Wie immer auf den letzten Drücker, das heißt am Abend vor dem Vortrag, tüftelte ich mir die Inhalte aus, notierte die passenden Stichworte und stellte ein paar Powerpoint-Folien zusammen.

Am nächsten Tag hatte ich bis zum Nachmittag jede Menge um die Ohren, erst in der überfüllten U-Bahn kam ich dazu, meine Notizen noch einmal durchzublättern. Der Vortragssaal in Mitte war nur mäßig gefüllt. Während sich der Veranstalter beklagte, dass kaum eine Zeitung seine Pressemitteilung veröffentlicht und folglich kein Schwein von seiner Veranstaltung erfahren hätte, kabelte ich mein altes Notebook an den Beamer, platzierte meine Notizen und meine Referentenuhr auf dem Vortragstisch. Die Uhr hatte ich seit Jahren überall dabei und immer im Blick. „Professionelles Zeitmanagement“ nennt sich das. Aber an diesem Abend erwartete mich eine böse Überraschung. Mein unentbehrlicher Zeitmesser war zwischenzeitlich stehen geblieben, seine Zeiger zeigten kurz nach 1 Uhr und rührten sich nicht vom Fleck. Es liefen die letzten Minuten vor meinen Vortrag. Was sollte ich tun? Mal nachfragen, ob irgendwer eine passende Batterie parat hätte? Den Veranstalter leihweise um seine Armbanduhr bitten? Ach, was soll´s! Es geht doch nur um 60 Minuten. Schmidbauer, das machst du doch nicht zum ersten Mal, das bekommst du doch locker auch ohne Uhr hin.

Mit einem Mal wurde es ruhig im Saal. Alle schauten gespannt nach vorne. Dort stand der Veranstalter, räusperte sich und sprach die einleitenden Worte. Wie immer hatte ich, kurz bevor es Ernst wurde, meinen kompletten Vortrag vergessen, mein Kopf war völlig leer. Mithilfe der Notizen versuchte ich verzweifelt mein Kurzzeitgedächtnis wieder zu reanimieren. Keine Ahnung, was der Veranstalter in der Zwischenzeit den Leuten erzählte, ich bekam jedenfalls nichts davon mit. Erst als mein Name fiel und sich alle Augen auf mich richteten, wurde mir schlagartig klar, dass ich ab sofort das Sagen hatte.

„Meine Damen und Herren, wer seine Unternehmenskommunikation nicht gründlich konzipiert, der verliert …“, begann ich und suchte nach Worten. Ein paar Minuten später hatte ich mich endlich warm geredet, ab da lief der Vortrag fast wie von selbst. Meinen Notizzettel verlor ich aus den Augen und meine Uhr war ja sowieso stehen geblieben. Ich war frei!

Es passierte, als ich die Rolle der Strategie als Rückgrad des Konzepts zu erklären versuchte. Plötzlich kam es mir so vor, als ob ich schon eine wahre Ewigkeit reden und reden würde. Nur wie lange genau? Einige Male war ich bereits von meiner Vortragslinie abgewichen und mit meinem Redefluss spontanen Eingebungen gefolgt. Vermutlich hatte ich durch diese Umwege inzwischen gehörig Zeit verloren. Mach schneller, sonst überziehst du gewaltig! Ich begann zu kürzen, ließ hier eine vertiefende Erklärung und dort ein praktisches Beispiel weg. Aber dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass mir die Zeit im Nacken saß. Im Hintergrund des Saals erkannte ich meinen Nachredner, der von einem Fuß auf den anderen trat und auf seinen Einsatz wartete. Neben ihm stand der Veranstalter und schaute alle naselang auf seine Uhr. Verdammt, das konnte nur bedeuten, dass ich schon dicht am Zeitlimit war! Das hatte man nun davon, wenn man seinen Eingebungen freien Lauf ließ. Schneller, Schmidbauer, schneller. Ich überging kurzerhand die Powerpoint-Folie zur Erfolgskontrolle und auch die Regeln der strategischen Zeitplanung ließ ich weg. Dazu war einfach keine Zeit mehr. Der blöde Veranstalter schaute schon wieder auf seine Uhr und machte mir ein Zeichen. Ja, ja, keine Panik, ich würde das Zeitmanagement seiner Veranstaltung schon nicht durcheinanderbringen. Ich bog ja bereits in die Zielgerade ein und ging in den Endspurt. Die kleine Anekdote aus der Praxis, die ich eigentlich als Schlusspointe zünden wollte, fiel aus Zeitgründen unter den Vortragstisch. Leicht gehetzt kam ich beim Schlusswort an und bedankte mich bei meinen Zuhörern. Endlich, es war geschafft! Freundlicher Beifall plätscherte mir entgegen. Ich verneigte mich kurz, schnappte mein Notebook, meine Notizen, meine Uhr und überließ meinem Nachredner das Feld. Im Gang kam mir der Veranstalter entgegen. Er wirkte alles andere als glücklich. Klar doch, er wollte sich wegen der überzogenen Vortragszeit beschweren. Sollte ich ihm das mit der kaputten Uhr erzählen? Nein, besser nicht, das würde alles andere als professionell wirken.

„Herr Schmidbauer, in aller Welt, was ist passiert? Sie waren viel zu kurz!“, jammerte der Veranstalter und schien der Verzweiflung nahe zu sein.

„Zu kurz?“ Ich war wie vom Donner gerührt und verstand die Zeit nicht mehr. „Wie lang war ich denn?“

„Knappe 40 Minuten!“ erklärte der Veranstalter und blickte wie zur Bestätigung auf seine Uhr.

40 Minuten? Ich war völlig konsterniert. Wie konnte mein Zeitgefühl mich derart in die Irre führen? Unbemerkt stahl ich mich aus dem Saal und ging zu Fuß nach Hause, den weiten Weg von Mitte bis Tempelhof, nur um meinen Frust zu verdauen. Ich sehe es ein, lieber Einstein, du hast ganz recht, Zeit ist relativ.

 

Kommentare

Solche wahren Geschichten aus dem echten Leben liebe ich. Sie sind es, die dem hochtechnologisierten, gehetzten Alltag wieder etwas an verloren gegangener Menschlichkeit zurückgeben.


Haha, Herr Schmidbauer, genau das ist mir auch mal passiert!

>>Plötzlich kam es mir so vor, als ob ich schon eine wahre Ewigkeit reden und reden würde.

Auf einmal fehlte jegliches Gefühl dafür und ich war überzeugt, viel zu lange zu sein und überzogen zu haben und war viel zu kurz! Absurdes Gefühl.

17. Februar 09

Erst die Aufgabe, dann das Konzept.

Am Anfang steht ein Kommunikationsproblem. Daraus entwickelt sich ein konkreter Handlungsbedarf, der in eine Konzeptionsaufgabe übersetzt wird. Man könnte sagen, mit der Aufgabenstellung gibt der Auftraggeber den Marschbefehl. Er legt fest, in welche Richtung es geht und was das Konzept unterwegs leisten soll.  Die Aufgabe wird üblicherweise im Rahmen des Briefings fixiert. Im Idealfall steht sie unmissverständlich formuliert im schriftlichen Briefingpapier.  Aber gerade an der unmissverständlichen Formulierung hapert es oft. Viele Auftraggeber stecken so tief drin, dass sie große Schwierigkeiten haben, ihre Aufgabenstellung auf den Punkt zu bringen.  Nicht selten bleibt die formulierte Aufgabe schwammig und unkonkret. Der eindeutige Marschbefehl liest sich eher wie eine Wunschvorstellung. Da sollen „attraktive Impulse für neue Kundenkreise ausgelöst werden“ oder es ist „ein starkes Imageprofil zwischen Innovation und Tradition zu etablieren“. Der Konzeptioner liest und rätselt. Er weiß nicht, was soll es bedeuten…

Achtung, Gefahrenstelle! Das Aufgabenrätsel muss unbedingt gelöst sein, bevor die konzeptionelle Reise beginnt, sonst droht das Konzept die Richtung zu verfehlen.  Die dringende Empfehlung lautet: Es darf kein Konzept ohne mündliches Briefinggespräch geben - und im Kontext des Gesprächs muss die grundlegende Aufgabenstellung zu einem zentralen Thema gemacht werden. Gemeinsam klären Auftraggeber und Konzeptioner die anstehende Aufgabe. Falls nötig präzisieren oder korrigieren sie die Koordinaten. Am Ende des Gesprächs kennt der Konzeptioner den Kurs. Er weiß, wo die Reise hingehen soll.

Nach Aufgabenstellung und Briefing startet die Analyse. Der Konzeptioner bestimmt die Ist-Situation – und zwar mit der vorgegebenen Aufgabe als Orientierungsgröße.  Innerhalb der Analyse reift dann bisweilen die überraschende Erkenntnis, dass die gestellte Aufgabe ein Ding der Unmöglichkeit ist. In diesem Fall darf - oder besser: muss der Konzeptioner die Aufgabenstellung entsprechend ändern. Allerdings ist eine  solche Kursänderung unbedingt mit dem Auftraggeber abzustimmen, bevor sie ins Konzept einfließt. Wer eigenmächtig ohne Rücksprache die Aufgabe ändert, der handelt sich großen Ärger ein.

In der Regel erkennt man, dass die Aufgabenstellung zu weit geht und deshalb auf ein machbares Maß zurückgefahren werden muss. Bisweilen ist aber auch das Gegenteil der Fall. Die gestellte Aufgabe greift so kurz, dass sie das Problem nicht in den Griff bekommt. Dann schwenkt der Konzeptioner um und schlägt seinem Auftraggeber vor, den Horizont der Aufgabenstellung  zu erweitern.

Die Aufgabe bleibt auch in späteren Phasen Dreh- und Angelpunkt der Konzeption. Auch während Strategie und Maßnahmenplanung verliert der Konzeptioner die maßgeblichen Koordinaten nie aus den Augen. Die gestellte Aufgabe ist für ihn das Maß aller Dinge.

10. Februar 09

Veranstaltunghinweis in eigener Sache

Die Offene Vorlesungsreihe der UMC POTSDAM (FH)

 26. Februar 2009, 18.00 Uhr

Von Menschen und Minderleistern -
Ein Plädoyer für mehr Weitblick und Rücksicht
in der internen Kommunikation.



Die interne Kommunikation ist zweifellos eine der schwierigsten Einzeldisziplinen im gesamten Kommunikationsspektrum. In keinem anderen Bereich ist der Kontakt zur Zielgruppe so direkt und sensibel. Daher ist es um so erstaunlicher, dass gerade in der internen Kommunikation allzu oft standardisierte Kommunikationsroutinen und kurzfristiges Effizienzdenken dominieren. Von konzeptioneller Planung ist viel zu selten die Rede.

Im Spätherbst 2008 veröffentlichten Ulrike Führmann und Klaus Schmidbauer ihr Praxisbuch „Wie kommt System in die interne Kommunikation?". Im Rahmen der offenen Vorlesung spinnen sie den konzeptionellen Faden ihres Buches weiter und sprechen sich für mehr Weitblick und Rücksicht in der Mitarbeiterkommunikation aus. Ihre Sichtweise machen sie an mehreren Knotenpunkten fest:

• Warum interne Kommunikationsmanager nicht als „Sprachrohr des Chefs" auftreten dürfen.
• Warum Mitarbeiteransprache immer auch emotionale Beziehungspflege bedeutet.
• Warum konsequentes Themenmanagement Voraussetzung für Glaubwürdigkeit ist.
• Warum die internen Maßnahmen erst in der richtigen Aufstellung erfolgreich sind.

 
Veranstaltungsort:
UMC Potsdam Campus Berlin, Tietzhöfe
Klosterstraße 64, 10179 Berlin
Telefon +49 30 275603-29

31. Januar 09

Souveräne Konsumenten? Ja wo laufen sie denn?

In den 80ziger Jahren ging es zum ersten Mal durchs ganze Land, das Bild vom kritischen Konsumenten und souveränen Kunden. Es setzte sich in unserem kollektiven Gedächtnis fest und wird bis heute zu jeder passenden Gelegenheit wieder aufpoliert. Auch ich habe lange Zeit fest an den Konsumenten geglaubt, der hohe Ansprüche stellt, der schlau vergleicht und sich für das vorteilhafteste Angebot entscheidet. Jedoch wuchsen bei mir mit den Jahren die Zweifel.

Heute bin ich überzeugt, dass er nur ein Homunculus ist, der „souveräne Konsument“. In Wirklichkeit sind wir Konsumenten im turbulenten Treiben der zahllosen Produkte und Angebote schon lange nicht mehr in der Lage, verlässliche Orientierung zu finden. Wir lassen uns von aufreizenden Markenversprechen führen, driften von Sonderpreis zu Sonderpreis, sammeln wie besessen Bonuspunkte und trampeln uns bei Eröffnungen von geizgeilen Discountern halb tot.

Warum hält sich trotz allem das Bild vom starken Konsumenten so hartnäckig und wird in Büchern, Vorträgen und Zeitungskolumnen immer wieder beschworen? Ich vermute, weil das Bild so segensreich in unser Wirtschaftsmodell passt: Anbieter und Nachfrager stehen sich gleichberechtigt gegenüber. Im freien Spiel ihrer Kräfte pendeln sich die Marktpreise im Gleichgewicht ein. Ohne den souveränen Konsumenten wäre dieses Modell nur ein Kartenhaus.

Als zweiter Grund fällt mir die Fabel vom Fuchs und dem Raben ein. Der Rabe hat ein Stück Käse im Schnabel, das der Fuchs haben will. Also lobt er die Sangeskünste des Raben, nennt ihn einen begnadeten Barden, bis dieser vor lauter Stolz alle Vorsicht vergisst, den Schnabel zum Krähen aufreißt - und sein Stück Käse fallen lässt.

 

Kommentare

Ich denke, dass das Problem (wenn es denn eines ist) ein Stück tiefer liegt: Die gesamten Theorien über die Beziehung zwischen Anbieter und Nachfrager beruhen darauf, dass wir rational Handeln. Nur tun wir es nicht. So ist der souveräne Konsument ein Konstrukt, das es tatsächlich geben kann, nur sieht die Realität eben anders aus als das Ideal. Oder anders ausgedrückt: Der souveräne Konsument existiert - jeder kann sich den Grad, in dem er verschaukelt werden will, selbst wählen.