Nach zwei Monaten Sommerpause begannen letzte Woche wieder meine ersten Kursabende und Seminare. Ab sofort versuche ich alle paar Tage, mäßig bis hoch motivierten Nachwuchskräften aus Werbung und PR die Mysterien des Kommunikationskonzepts nahe zu bringen.
Gleich am ersten Abend landete ich einen fachlichen Flop. Fragte mich ein Teilnehmer, was der genaue Unterschied zwischen „Live-Kommunikation“ und „Event“ wäre. Keine Ahnung! Ehrlich! Die Springflut der Branchenschlagworte raubt mir den Atem. Aber das konnte ich vor versammelter Mannschaft natürlich nicht zugeben. Also eierte ich herum und wand mich halbwegs aus der Affäre. So in der Art: „Eigentlich ist Live-Kommunikation nur ein neues Hochglanz-Etikett, mit dessen Hilfe die darbende Eventbranche versucht, mehr Eindruck bei potentiellen Auftraggebern zu schinden.“ - Ganz verkehrt war meine Auslegung ja nicht, wenn auch definitiv nicht auf den Punkt kommend. Mein Zuhörerkreis gab sich jedenfalls damit zufrieden
Es muss inzwischen ein knappes Jahr her sein, dass ich in einer vergleichbaren Definitionsfalle saß. Als ich damals zu einem Monolog über die steigende Bedeutung von Below the Line-Maßnahmen anhob, wollte ein Seminarteilnehmer doch tatsächlich von mir wissen, warum es ausgerechnet „Below the Line“ hieße und was der Begriff genau bedeute. Ich holte tief Luft und entgegnete ausweichend, das sei die neudeutsche Bezeichnung für die Demarkationslinie, die die Werbeleute zwischen sich und den anderen Kommunikationsdisziplinen gezogen hätten. Dann wechselte ich schnell das Thema. Zu meiner Ehrenrettung lässt sich allerdings berichten, dass ich in den Monaten darauf manche meiner Kollegen, die elegant mit dem Begriff „Below the Line“ jonglierten, heimtückisch auf die Herkunft ansprach. Ertappt! Keiner wusste so richtig Bescheid!
Hallo Herr Schmidbauer,
auch ich war gerade auf der Suche nach der Herkunft des Begriffs "Below-the-line", weil ich in einer ähnlichen Situation wie Sie war. Und nun habe ich eine gute Erklärung gefunden:
Früher haben die Agenturen ihren Klienten erst alle klassischen Media-Massnahmen auf die Rechnung gesetzt; für diese konnten sie Commission/AE verlangen. Dann wurde auf der Rechnung ein Strich (die Line) gezogen, und es wurden alle Massnahmen aufgeführt, die nicht auf Provisionsbasis abgerechnet wurden (eben alle nicht-klassischen Massnahmen), sondern mit Service Fees. Das war dann alles "below-the-line".
Quelle:
The Fundamentals of Advertising
by John Wilmshurst, Adrian MacKay
http://books.google.com/books?ie=ISO-8859-1&hl=en&id=2ny4fSZKpiUC&pg=PA12&lpg=PA12&dq=below-the-line+term+origin&prev=http://books.google.com/books%3Flr%3Dlang_en%257Clang_de%26client%3Dfirefox-a%26q%3Dbelow-the-line%2Bterm%2Borigin&sig=gXaER4MjIMB7mcdZ9P47w_7tbFw
Kommentiert von: GolfBot | 30. November 05 um 12:14 Uhr