Es ist wahr, es ist wahr, ohne Grafiker kann ich nicht Leben. Jede Strategie, jede konzeptionelle Idee ist grau, grau, grau. Ich bin angewiesen auf die Grafiker, die Farbe und Form in meine Gedanken bringen, damit sie Gestalt annehmen. So lange ich konzeptionell denken kann, arbeite ich deshalb bei nahezu jedem Auftrag mit der Grafik Hand in Hand. Wobei die Zusammenarbeit oft eher Ähnlichkeit mit einem Handgemenge hat. Konzeptioner (Funktion!) und Grafiker (Form!) kämpfen zäh und ausdauernd um jeden Zentimeter Gestaltungsraum.
Vielleicht sollte ich zur Verdeutlichung ein Beispiel aus der laufenden Arbeitswoche erzählen? Einer meiner Kunden ist in seiner Branche leider noch ein völlig unbeschriebenes Blatt. Nicht einmal den Namen des Unternehmens kennen die Leute. Eine Präsentationsbroschüre an alle Multiplikatoren soll da Abhilfe schaffen. Die Grafikerin holt sich bei mir ihr Briefing ab und legt los. Eine wunderschöne Broschüre entsteht. Ich bin begeistert. Es gibt nur einen Haken. Auf der Titelseite finden sich weder Unternehmenslogo noch Unternehmensname. „Sieht doch ohne Logo viel ästhetischer und harmonischer aus!“, sagt sie und weigert sich hartnäckig den Broschürentitel mit einem trivialen Logo zu verunzieren. Die letzte Seite wäre dafür gerade gut genug.
Und so etwas passiert mir ständig: Mal wird für einen Senioren-Ratgeber die Schrift nur in 10 Punkt Größe gesetzt, weil das doch wesentlich eleganter wirkt. Oder die Infografiken einer Mittelstandsstudie sind komplett in edlem Grau gehalten, so dass die einzelnen Balken kontrastarm und kaum voneinander zu unterscheiden sind. Oder das einzige Produktfoto eines Werkzeugmaschinen-Faltblattes ist so stark angeschnitten, dass das neue Produkt nicht mal mehr zur Hälfte ins Bild kommt. Oder der Grafiker versucht mir meine strategische Kernbotschaft „Sicherheit“ auszureden, weil die für ihn so wenig kreatives Potential böte. Es ist ein ewiger Kampf.
Neulich in einer langweiligen Sitzung hatte ich einen wunderschönen Traum: Ich lernte nach all den Jahren endlich einen Grafiker kennen, der mich vom ersten Layout an voll und ganz verstand, der mir meine konzeptionellen Wünsche von den Augen ablas. Aus uns wurde ein tolles Dream-Team. Gemeinsam waren wir unschlagbar und eroberten die Werbewelt im Sturm.
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