Frage: „Was ist ausschlaggebend für den Erfolg eines Briefinggesprächs?“ - Horcht man bei Werbe- und PR-Leuten rum, hört man fast überall die gleiche Antwort: „Auf die richtigen Fragen kommt es an - das versteht sich doch von selbst!“ – Stimmt das? Ich bin mir da gar nicht so sicher.
Heute war ich als Zaungast und neutraler Berater zu einem Briefingnachmittag eingeladen. Ein Unternehmen briefte vier Agenturen im Rahmen einer Ausschreibung. Vier Fragerunden hintereinander. Vier Mal im Wesentlichen die gleichen Fragestellungen. Alle Agenturen waren bestens vorbereitet und hatten sich eine Liste mit wichtigen Fragen zusammengestellt. Die „große Abfragerei“ konnte beginnen. Punkt für Punkt wurden die Fragen auf der Liste abgehakt und fleißig mitprotokolliert. Ein wahres Stakkato der Fragezeichen! Beim vierten Durchgang hatte ich schon ein leichtes Sausen im Ohr und konnte mich kaum noch konzentrieren.
Es wurden jede Menge Fakten gesammelt, aber keine Erfahrungen gemacht. Das Ganze erschien mir wie eine reine Inventur der Kommunikationsaufgabe. Das briefende Unternehmen servierte Punkt für Punkt seine offiziellen Antworten – von Mal zu Mal routinierter. Aber kamen die Agenturen durch ihre akkurate Bestandsaufnahme der Fakten wirklich nahe genug an die Kommunikationsprobleme heran? Am Ende der vier Briefings hatte ich da so meine Zweifel.
„Am Wichtigsten beim Briefing ist das richtige Zuhören“, so lautet mein Standpunkt. Beim Zuhören wird aus dem Kommunikationsbuchhalter, der nur die Fakten abhakt, der Analytiker, der hinter die Kulissen schaut und dort oft die wahren Problemursachen entdeckt. Wer zuhören kann, der erfährt die Geschichten und Geschehnisse, die hinter den offiziellen Kommunikationsbotschaften stehen. Der Gesprächspartner erzählt, öffnet sich und entfaltet seine Gedanken. Der Zuhörer fühlt sich ein und nimmt teil. Er zeigt Verständnis und gewinnt Vertrauen.
Vergesst eure langen Fragelisten, Leute! Übt euch im Zuhören!
