Integrierte Kommunikation – gemeint ist das Zusammenspiel der verschiedenen Kommunikationsdisziplinen von Werbung über PR bis zu Direktmarketing – verwirbelt die über Jahrzehnten gewachsenen Pfründe der beteiligten Branchen, zerstört die Abteilungsfürstentümer in den Unternehmen – und ist deshalb alles andere als beliebt.
Alle paar Wochen ist in einem einschlägigen Branchenfachblatt zu lesen, dass die Orchestrierung der Disziplinen nicht oder nur schwer machbar sei. Gerade dieses Sinnbild wird mit Vorliebe strapaziert. Werbung, PR und Co. degenerieren zu fügsamen Instrumenten im großen Orchester. Das Kommunikationskonzept erscheint wie eine komplett ausgearbeitete Partitur. Alle spielen akkurat vom Blatt und die nächste Kommunikationskampagne wird zum sinfonischen Werk.
Ich kann mit diesem Sinnbild nichts, aber auch gar nichts anfangen. Wenn schon Musik, dann sollte sich die integrierte Kommunikation als purer Jazz verstehen. Es gibt eine Tonart, ein Tempi, ein gemeinsames Grundmotiv, eine begnadete Antenne für die Mitspieler – und dann geht’s los. Es lebe der Jazz!!!
Vor uns liegt ein riesiger offener Freiraum. Die Spontaneität belebt. Die Inspirationen fließen, neue Ideen bringen uns nach vorne. Die Mitspieler beflügeln sich gegenseitig, treiben sich an und entwickeln eine unerhörte Dynamik. Das Können der Solisten ist weiterhin gefragt. Aber erst im Zusammenspiel (!) entsteht die beseelte Dichte – der neue magische Swing der Kommunikation. Das gelangweilte Publikum, das schon lange abgeschaltet hat, geht plötzlich wieder auf Empfang.
Zurück auf den Boden der Tatsachen. Im September 2005 hält sich jede Disziplin nach wie vor für den großen Solostar. Die sichtlich gealterte Diva Werbung versucht mit allen Mitteln weiter die erste Geige zu spielen. Neue Nachwuchstalente machen einen gewaltigen guerillamäßigen Lärm, um besser gehört zu werden. Alles bläst und zupft, fiedelt und trommelt vor sich hin. Jeder für sich mag virtuos sein, aber in der Summe ergibt sich allzu oft nur kommunikative Kakophonie.
Kommentare