Ein Marathon liegt hinter mir. In den letzten 2 Tagen habe ich insgesamt 37 Seiten Konzept zu Papier gebracht. Danach fühle ich mich jedes Mal völlig ausgepumpt und leer – so als hätte ich einen ganzen Tag schwerste körperliche Arbeit hinter mir.
Über 40 Konzepte sind in 2005 schon entstanden. Allerdings muss ich zugeben, dass vorliegendes Konzept erst das Vierte in diesem Jahr ist, das ich komplett als Text ausformuliere. Die große Mehrzahl entsteht nur noch als Präsentation in Powerpoint. Mehr wäre meinen gestressten Kunden zuviel. Lange Textabhandlungen wollen sie nicht lesen. Meine Konzeptpräsentationen in Powerpoint werden zumeist einfach ausgedruckt und den Kunden als so genannte „Hand-outs“ an die Hand gegeben.
Vor einigen Jahren war das noch völlig anders. Da musste jedes Konzept ausführlich zu Papier gebracht werden. Da habe ich Jahr für Jahr den Umfang eines Telefonbuchs zusammengetippt. Meine treuer Computer und ich konnten uns manchmal wochenlang nicht voneinander trennen. Aber wie gesagt, das ist vorbei.
Zugegeben, der Siegeszug von Powerpoint erleichtert mir die konzeptionelle Arbeit erheblich. Ich kann jetzt mehr Kraft in die konzeptionellen Inhalte stecken. Es gibt aber durchaus auch einige Nachteile. Beispielsweise sind meine Präsentationen heutzutage ziemlich mit Text überladen, weil ich die einzelnen Folien zwangsweise so aufbaue, dass sie ohne Vortrag nur beim Lesen verständlich werden. Bei der eigentlichen Präsentation werden dann solche textreichen Folien schnell zum Störfaktor. Sie lenken vom Präsentationsvortrag ab.
Sofern mein Auftraggeber nicht noch größere Korrekturen hat, fange ich gleich morgen früh mit der nächsten Konzeption an. Ein abrupter Szenenwechsel steht an. Von der Zielgruppe „Reiche in Deutschland“ mache ich einen rasanten Sprung zu „Studenten in Sachsen-Anhalt“.
Seit ich Steve Jobs' Präsentation des iPod Nano gesehen habe (Video unter http://www.apple.com/quicktime/qtv/specialevent05/ unbedingt ansehen!), kann ich textüberladenen PowerPoint-Folien noch weniger abgewinnen als vorher. Auch wenn Jobs' Art der Präsentation das andere Extrem und deshalb sicher nicht immer anwendbar ist, so sie mir doch wesentlich lieber. Ich spreche dabei nicht von der perfekten Einbindung von Videos und Livekamerabildern. Es geht mir um die Text-"Folien": Auf einem dunklen Hintergrund ist in überdimensionalen Lettern nur eine Zahl oder nur ein Stichwort zu lesen. Darunter etwas kleiner maximal ein Satz zur näheren Erklärung. Mehr nicht! Auf diese Weise lenken die Zahlen nicht von Jobs' Vortrag ab, sondern unterstützen seine Worte wirkungsvoll.
Bei so mancher typischen Business-Präsentation habe ich dagegen eher das Gefühl, dass nicht die fertige Präsentation, sondern der ausformulierte Stichwortzettel des Referenten per Beamer an die Wand geworfen wird. Jedes noch so kleine Detail erscheint dort in ausformulierten und ausgeschmückten Sätzen. Die halbe Zuhörerschaft verdient diese Bezeichnung eigentlich nicht, da sie viel zu sehr damit beschäftigt ist, die Texte auf den Folien zu lesen, um noch zuhören zu können. Wobei das Lesen eigentlich nicht notwendig wäre, denn der Vortragende beschränkt sich in vielen Fällen ebenfalls auf das Vorlesen der Texte auf seinen Folien.
Wer genügend Zeit hat, ist also gut damit beraten, seine als Handout optimierte Präsentation noch einmal auf die wirklich wichtigen Keyfacts einzudampfen und diese zuhörerfreundlich (Hörer - nicht Leser!) aufzubereiten.
Natürlich ist das nicht immer möglich. Auch sollte man bedenken, dass eine solche Präsentation noch mehr Vorbereitung erfordert. Siehe Steve Jobs: Auch wenn alles locker und ungezwungen wirkt, möchte ich nicht wissen, wie oft er seinen Auftritt geprobt hat. Da sitzt jeder Handgriff, jedes seiner Worte passt perfekt zu dem, was hinter ihm auf der Großleinwand passiert. Er weiß genau, wann er weiterschalten muss und welches Stichwort als nächstes erscheint.
Kommentiert von: Marketingblogger | 30. Oktober 05 um 17:41 Uhr