Kurz nach meinem Urlaub geht der Stress schon wieder los. Im Rahmen einer Konzeptrecherche musste ich heute die Websites von über 30 Werbe- und Eventagenturen aus ganz Deutschland abklappern und Informationen einsammeln.
Fast die Hälfte dieser Sites begrüßte mich mit einem Splash-Screen. So heißen die vorgeschalteten Intro- oder Startseiten. Splash-Screens sind lästige und überflüssige Präliminarien. Wenn ich auf Recherchetour bin, dann will ich fix ans Ziel und mich informieren, statt von einer läppischen Begrüßungsanimation in den Leerlauf gezwungen zu werden. Manche dieser Screens auf meiner heutigen Rundreise hatten noch nicht einmal ein „Skip Intro“, um dem Spuk ein Ende zu machen. Bei anderen hatte der Designer das „Skip Intro“ so raffiniert versteckt, dass der Abbruch zum Suchspiel wurde.
Besonders entsetzt hat mich das bodenlose Niveau der Animationen - ausnahmslos trivialer Zierrat von Webdesignern, die unter nervösem Gestaltungszwang leiden. Solche Splash Screens sollten besser Spleen Screens genannt werden.
Als weit verbreitet entpuppte sich der geniale Einfall, die Buchstaben des eigenen Agenturschriftzugs mit geschmackvoller Choreographie einfliegen oder einblenden zu lassen. Nicht selten dudelten dazu irgendwelche aalglatten Soundlogos aus der GEMA-freien Klonfabrik. Ebenfalls im Trend waren kleine Bagatellen mit geometrischen Formen. Kreise wanderten wie Suchscheinwerfer über das Blatt. Linie zogen rasante Schlussstriche. Würfel zeigten sich von ihrer besten Seite. Konkrete Sinnbilder bildeten die dritte große Kategorie. Ein Kompass richtete sich entschlossen nach Norden aus. Eine Biene flog auf das Agenturlogo und saugte Nektar. Einer schlauen Glühbirne ging ein Licht auf. Kein Klischee war platt genug. Wie sang einst Nina Hagen? Spritz, spritz, das isn Witz!
Mag sein, dass es Splash Screens gibt, die Klasse haben und Sinn machen. Aber die sind mir heute leider nicht begegnet. Meine Screen-Episoden waren ausnahmslos Zeitverschwendung. Der traurige Rekord lag übrigens inklusive Ladezeit bei über 30 Sekunden. So beginnt schon beim Intro der große Exodus der Besucher.
Schlaue Köpfe erfanden vor Jahren den Popup-Blocker. Auch ich habe ihn installiert. Laut Zähler hat er mich in diesem Jahr bereits vor 5.815 Popups bewahrt. Und da denke ich mir: Vielleicht könnte jemand einen Splash Screen-Blocker ersinnen, der nicht lange fackelt und allen sinnlos animierten Startseiten sofort den Garaus macht: „Keine Bewegung, Splash Screens! Euer Spiel ist aus!“
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