Ein nützliches Wort aus meinem verbalen Werkzeugkasten für Konzeptionen ist das kultivierte „hochkarätig“. Es funkelt, suggeriert wahre Größe- aber ohne im Geringsten protzig zu wirken. Das Adjektiv „hochkarätig“ adelt alles, was ihm in die Quere kommt. Eine „wichtige Botschaft“ erhält als „hochkarätige Botschaft“ wesentlich mehr Sendungsbewusstsein. Ein „großer Event“ blüht als „hochkarätiger Event“ geradezu auf. Die so geadelten Substantive gewinnen an Substanz, bekommen eine Aura von Geltung und Noblesse. Man entrückt sie und stellt sie frei vom semantischen Gezerre des Kommunikationsalltags.
Natürlich darf man den Begriff „hochkarätig“ nicht zu häufig im Konzept anwenden. Zwei oder drei Mal einfühlsam dosiert - mehr keinesfalls. Sonst verliert er seinen Wert und endet als mattes Wortgeklimper.
Ab und zu ist auch eine Substantivierung erlaubt. Wem „VIP“ zu abgegriffen und „Leistungsträger“ zu schmucklos neoliberal ist, der findet in „Hochkaräter“ eine überlegenswerte Alternative. Denn der „Hochkaräter“ klingt leicht lässig und wirkt doch zugleich wie ein Ritterschlag. Modisch aktuell ist auch die englische Übersetzung: „High Calibre“. Die passt gut in eine Reihe mit den zurzeit ziemlich angesagten „High Potentials“ und „High Professionals“.
Allerdings sollte jedem Auftraggeber klar sein, dass „hochkarätig“ nicht billig zu haben ist. Schmücke ich ein Konzept mit einer „hochkarätigen Pressekonferenz“ oder einer „hochkarätigen Imagebroschüre“ dann ist Vorsicht angesagt! Diese Maßnahmen glänzen in der anschließenden Budgetierung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch einen entsprechend stolzen Preis.
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