Seit geraumer Zeit nutze ich bei der Konzeptentwicklung den „Elevator Pitch“. Schon wieder so ein Fremdwort? Tut mir leid, aber die Branche ist nun mal hoffnungslos anglophil.
Der „Elevator Pitch“ ist eine superkurze Mini-Präsentation. 30 bis 40 Sekunden – dann ist alles gesagt. „Elevator Pitch“ heißt es, weil die ideale Kulisse für eine solche Präsentation der Fahrstuhl ist. Der Chef steigt ein, will dringend wissen wie der konzeptionelle Stand der Dinge aussieht. Man hat genau 35 Sekunden Zeit um Überzeugungsarbeit zu leisten, bis sich in der Chefetage im 9 3/4 Stock die Fahrstuhltür wieder öffnet.
Jedes Kommunikationskonzept braucht eine Strategie als Grundkonstruktion. Und jede Strategie sollte so einfach wie irgend möglich sein. Je komplizierter das Kommunikationsproblem, desto einfacher muss die strategische Problemlösung werden. Folglich muss eigentlich jede gute Strategie in das Zeitfenster einer Fahrstuhlfahrt passen.
Um mich zur konzeptionellen Klarheit zu erziehen, mache ich deshalb zum Abschluss der strategischen Arbeit nicht immer, aber immer öfter einen „Elevator Pitch“. Irgendwer aus meinem jeweiligen Projektteam muss seine Ohren spitzen und ich bringe in 30 Sekunden meine Strategie auf den Punkt. Hat mein Zuhörer verstanden und signalisiert Zustimmung, dann ist alles okay. Bekomme ich ein Kopfschütteln oder einen verständnislosen Blick, dann heißt es häufig: zurück in die Strategie und einige Kanten nachfeilen oder sogar die Eckpfeiler neu konstruieren.
Mal ne "blöde", provozierende, vielleicht überflüssige Frage: Wenn es gelingt binnen 30 Sekunden das Konzept zu verkaufen, ist dann die vorangegangene Arbeit, also das Gesamtkommunikationskonzept, nicht eigentlich Makulatur?
Kommentiert von: Frank Herold | 02. Dezember 05 um 12:50 Uhr
Hallo,
Grundsätzlich gibt es ja keine blöde Frage.
ich glaube nicht, das jedem in 30 sekunden eine elevator pitch gelingt, ohne vorher nachgedacht zu haben.
Eigentlich ist elevator pitch nur ein anderes word für "Zusammenfassung".
Also erstmal ausführilch Konzept vorstellen und dann zusammenfassen und auf den Punkt bringen. Man könnte es auch "management summary" nennen, oder keep ist simple-prinzip, oder nach dem Pareto Prinzip: 80/20 80% Vorbereitung, 20% präsentieren.....
Kommentiert von: Enzo | 02. Dezember 05 um 16:19 Uhr
Bei Chefs und Entscheidern reicht oft eine Kurzpräsentation. Die wollen garnicht mehr hören.
Aber dann gibt es da ja noch die Fachebene, die das Konzept später umsetzen muss. Denen muss man unbedingt ein ausführliches Detailkonzept an die Hand geben, sonst wird das nichts.
Kommentiert von: Klaus Schmidbauer | 02. Dezember 05 um 17:37 Uhr