Viele Marketing- und Werbeleiter bringen zurzeit den Fußball ins Spiel. Keiner will im Abseits stehen, wenn im nächsten Jahr die Fußballweltmeisterschaft die Nation für ein paar Wochen im Sturm erobert. Alle hoffen auf ein begeistertes Publikum, sobald sie ihre Kommunikation für das große Ereignis neu aufstellen. Sie sind felsenfest überzeugt, dass die Magie des runden Leders auch auf ihre Produkte und Dienstleistungen abstrahlen wird.
Meinem Einwand, dass sich viel zu viele Kampagnen hemmungslos auf den Fußball schmeißen, so dass die werbliche Resonanz im allgemeinen Massenandrang einfach tot gedrückt wird, schenkt keiner ein Ohr.
Allerdings ist die Stimmung in der Branche diesmal nicht so ungetrübt wie bei den letzten Turnieren. Viele Werbe- und Kommunikationsleute zögern noch, ob sie mitspielen sollen. Das rigide Regime der FIFA verunsichert sie.
Letzte Woche saß ich mit der völlig irritierten PR-Mitarbeiterin einer karitativen Hilfsorganisation zusammen, die mehrere WM-Karten von einem Sponsor geschenkt bekommen hatte. Ihr Plan, die Karten in einer Charity-Auktion für den guten Zweck zu versteigern, dürfte viel Geld bringen. Und das Geld wird dringend benötigt. Nur habe Sie gehört, dass die FIFA solche Aktionen untersage. Selbst Harald Schmidt hätte schon gehörig Ärger bekommen. Was tun?
Ein großes Berliner Unternehmen will, wie schon bei der letzten WM, die eigene Frühjahrskampagne ganz ins Zeichen des Fußballs stellen. Die Agentur entwickelt gerade tolle Anzeigenmotive. Doch die FIFA mauert. Nach ihrer Meinung dürfen Begriffe wie „WM 2006“ oder „Fußballweltmeisterschaft 2006“ in der Werbung nicht verwendet werden. Oder nur für bestimmte Produkte verwendet werden. Oder so ähnlich. Keiner blickt so richtig durch. Ein Mitarbeiter des Unternehmens hat gehört, dass die FIFA fast 200 Anwälte aufgestellt habe, um Verstöße aufzuspüren und abzumahnen. Nur ein Gerücht?
Eine renommierte Interessenvertretung, seit Jahren in Berlin ansässig, will wie eh und je im Juni ein Sommerfest feiern. Am gleichen Tag ist auch Spieltag der WM. Kein Problem, denkt sich der Eventverantwortliche. Er plant, in einem Zelt einen großen Plasma-Monitor aufzustellen. Das habe er auch bei der letzten WM so gemacht. Aber damit riskiert er eine gelbe Karte der FIFA. Denn die FIFA will gepfefferte Lizenzen für solche öffentliche Aufführungen kassieren. Die Interessenvertretung verlangt zwar keinen Eintritt, aber sie lässt das Fest über Sponsoring finanzieren. Das bewertet die FIFA als Eintritt und hält die Hand auf. Dürfen die das?
Manch einer aus der Branche würde der FIFA mit ihrem Reglementierungswahn am liebsten lauthals einen pfeifen – aber keiner traut sich so richtig.