Hier in Berlin Tempelhof fielen die ganze letzte Woche grellbunt bemalte Sturzkampfbomber jaulend und kreischend vom Himmel. Mitten im Herzen der Stadt fand die Weltmeisterschaft der Kunstflieger statt. Und je höher der Lärmpegel anschwoll, desto mehr sank meine Arbeitsleistung.
Die Veranstaltung titelte „Red Bull Air Race“. Namenspatronat oder Titelsponsoring nennt man dieses angesagte Kommunikationsinstrument. Vor allem im Sport ist es auf dem Vormarsch. Die Fußballstadien heißen heutzutage Allianz Arena, LTU Arena oder Playmobil Stadion. In der Basketballbundesliga spielt nicht mehr Frankfurt gegen Bonn, sondern die Deutsche Bank Skyliners gegen die Telekom Baskets. Auch in Kunst und Kultur hält das Titelsponsoring Einzug. Im Februar wurde der VIP-Bereich der Berlinale VW Phaeton Lounge getauft. Nächste Woche spielt Roger Waters auf der Berliner Kindl Bühne. Und demnächst geht die Nokia Night oft the Proms auf Deutschlandtournee.
Als besagte Red Bull-Sturzkampfbomber mein Gehirn leerten, blitzte in einer freigeräumten Ecke plötzlich eine Idee auf. Warum das Namenspatronat nicht auch in ganz anderen Lebensbereichen einführen? Namentlich könnte man auf diese Weise ganz schnell die aktuelle Hartz IV-Krise in Wohlgefallen auflösen. Ein paar hundert große Konzerne, die sich als „gute Deutsche“ verstehen, sponsern Hartz IV-Empfänger und übernehmen die Hälfte des Arbeitslosengeldes II. Im Gegenzug nehmen die Arbeitslosen für die Förderzeit den Namen des Unternehmens an. Aus Ulla Kasulpke wird so übernacht Ulla Unilever. Dieter Jürgen Rompelt nennt sich ab sofort Dieter Jürgen Daimler Chrysler. Und der namenlose Arbeitslose Rudi Hase steigt klangvoll zu Rudi Vaillant auf.
Die gesponserten Hartz IV-Empfänger müssten den neuen Namen natürlich in allen denkbaren Lebenslagen führen. Auf dem Klingelschild, im Reisepass, in den Bewerbungsunterlagen und selbst auf der obligaten Kaffeetasse. Selbstredend würden die Gesponsorten sich auch am Telefon mit ihrem neuen Namen melden: „Hallo! Sie sprechen mit Gotthilf Haribo.“
Für die beteiligten Unternehmen brächte ein solches Sponsoring eine immense Breitenwirkung. Und die Große Koalition wäre übernacht ihre Hartz-Schmerzen los.