„Moment mal, Herr Schmidbauer, würden Sie mir bitte einige Fragen beantworten?“
„Klar! Worum geht es? Schießen Sie los!“
„Zu Ihren Konzepten gehört doch fast immer auch das Kapitel Erfolgskontrolle. Mich würde interessieren, welches Instrument der Erfolgskontrolle Sie am häufigsten einsetzen?“
„Mit Abstand an erster Stelle steht bei mir der Putzfrauentest.“
„Putzfrauentest?“
„Ich gebe zu, das ist kein offizielles, wissenschaftlich fundiertes Instrument der Marktforscher. Nix mit Empirie oder so. Aber dennoch hat mich der Putzfrauentest schon vor zahllosen konzeptionellen Fehlern bewahrt.“
„Das müssen Sie mir erklären. Was steckt dahinter?“
„Der Begriff Putzfrauentest geistert schon seit ewigen Zeiten, meist zu später Stunde, durch die Branche. Wenn die Teams in ihren Agenturen über neuen Ideen brüten, finden sie oft kein Ende. Zu dieser Zeit sind schon die Putzfrauen unterwegs, stellen die Stühle hoch und wischen die Böden….
„ …und dann werden sozusagen Reinigungskräfte für einen kurzen Test von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten?“
„So ist es! Man steckt selbst so tief in der Ideenfindung, dass man die Relationen verloren hat und die Zündkraft der eigenen Ideen nicht mehr einschätzen kann. Man hängt fest. In dieser Sackgassensituation bringt die spontane Reaktion eines Außenstehenden nicht selten wieder Bewegung in die verfahrene Arbeit.“
„Wird das Ihrer Putzfrau nicht irgendwann zuviel?“
„Um ehrlich zu sein, habe ich noch nie eine waschechte Putzfrau befragt. Es hat sich nicht ergeben. Putzfrauentest heißt bei mir, dass ich irgendwelche Leute anspreche, die mit meinem Konzept gar nichts am Hut haben. An denen probiere ich meine neuen Ideen aus.“
„Wer sind Ihre Opfer?“
„Mein Sohn, mein Nachbar, die Verkäuferin im Laden nebenan, meine Studenten im PR-Kolleg. Oder der Manager, der im Flugzeug neben mir sitzt. Oder der Paketbote, der gerade mein ebay-Paket anliefert.“
„Wie groß ist die Gefahr, dass Sie auf die falsche Fährte gelockt werden?“
„Die Reaktionen der Leute nehme ich nicht eins zu eins. Aber begreifen Sie: Wer außen steht, hat den Blick frei. Er schaut aus einem anderen Blickwinkel. Er sieht Sachen, die ich nicht mehr sehen kann. Und diesen Standortvorteil mache ich mir zu nutze. Mit aller analytischen Vorsicht versteht sich!“
„Gibt es Regeln für den Putzfrauentest?“
„Meines Wissens hat noch niemand eine Fachabhandlung über diese weit verbreitete Form der Erfolgskontrolle geschrieben. Aber ich habe natürlich so meine Erfahrungswerte.“
„Würden Sie mir ein paar Beispiele nennen?“
„Zuallererst sollte der Gesprächspartner ein Bezug zum Thema hat. Meinen Sohn zum Thema Seniorenreisen zu befragen, brächte wenig. Dann sollte man wirklich auf eine intuitive, schnelle Reaktion Wert legen. Wer große Vorreden hält, der zerstört den Nimbus der Spontaneität.“
„Welche Erfahrungen haben Sie noch gemacht?“
„Ein komplettes Konzept lässt sich mit dem Putzfrauentest nicht überprüfen. Ich greife mir nie mehr als zwei bis drei essentielle Meilensteine meines Konzepts raus und teste die an. Bei wichtigen Konzepten konfrontiere ich gern mehrere Leute mit meinen Ideen und vergleiche anschließend die Reaktionen.“
„Was kommt denn bei so einem Putzfrauentest raus.“
„Gute Kommunikation muss immer schnell zünden. Viele meiner Ideen zünden aber nur mit langer Verzögerung oder gar nicht oder an der völlig falschen Stelle. Ein Putzfrauentest zerrt solche Fehlzündungen gnadenlos ans Tageslicht.“
„Wie viele Putzfrauentests führen Sie schätzungsweise im Jahr durch?“
„Mindestens einen Test pro Woche!- Apropos: Schauen Sie sich doch mal kurz diesen Broschürentitel an.“
„Ähm, ja….“
„Nicht lange überlegen! Sagen Sie mir einfach aus dem Gefühl heraus, was will Ihnen das Unternehmen mit diesem Titel sagen?“