Heute im Rehearsal (Branchenjargon für Präsentationsprobe) wurde wieder kräftig über Powerpoint geschimpft. Powerpoint sei Blei für eine gelungene Präsentation. – Nun mal halblang! Wenn Präsentationen zu Monstern mutieren, dann ist meist nicht die Software daran schuld, sondern die Leute, die nicht mit Powerpoint umgehen können.
Ich will ein Beispiel geben. Sie sehen ein Chart (Branchenjargon für Präsentationsfolie) aus einer jüngst vergeigten Präsentation. Was sehen Sie?
Genau, eine Textwüste! Stellen Sie sich vor: Eine Powerpointpräsentation ist quasi ein Schiff. Es kommt darauf an, was Sie daraus machen. Sie können einen schlanken Kommunikations-Katamaran bauen, der herrlich schnittig im Wind liegt. Sie können Ihr Schiff aber auch mit Fakten und Formulierungen überladen. So wird es immer schwerfälliger und plumper und irgendwann ist das Limit erreicht und Sie saufen mit Ihrer Präsentation ganz einfach ab.
Selbstredend hat jeder Vortragende gewichtige Gründe für die Fettleibigkeit seiner Präsentationscharts.
O-Ton: „In meiner Präsentation sitzt nur ein Teil der Entscheider. Die anderen sehen hinterher nur das Handout (Branchenjargon für die gedruckte Version der Präsentationscharts). Damit die auch begreifen, wie das Konzept läuft, habe ich die Charts sozusagen selbsterklärend ausgetextet.“
Schmidbauer rät: Besser Sie machen zwei Powerpoint-Versionen! Die ausführliche Version für das Handout ist in ganzen Sätzen formuliert. Die Version für die Präsentation bauen Sie kurz und knackig.
O-Ton: „Ich hab´ immer so viel auf meinen Charts stehen, damit ich die gleich als Stichworte für meine Präsentation nehmen und mich daran entlang hangeln kann.“
Schmidbauer rät: Machen Sie sich Stichwortkärtchen oder Zettel, aber nutzen Sie nie die Charts als Stichwortgeber. Nicht nur, weil es verdammt öde wird, wenn Wort und Chart das Gleiche sagen. Sondern auch weil die Gefahr groß ist, dass Sie - von Ihren projizierten Stichworten angezogen - während der Präsentation mit dem Rücken zum Zuhörer vortragen.
O-Ton: „Ich mache immer so ausführliche Charts. Denn in der Präsentation lese ich die Charts einfach nur noch ab. Das ist eine todsichere Sache!“
Schmidbauer rät: Durch das sture Ablesen wirkt Ihre Präsentation ganz sicher tot. Sie sind doch kein Nachrichtensprecher, sondern Konzeptioner! Sie wirken wesentlich souveräner und kompetenter, wenn Sie die Powerpointprojektion nicht mit einem Teleprompter verwechseln.
O-Ton: „In meinem Konzept stecken so viele spannende Feinheiten. Da konnte ich einfach nichts weglassen!“
Schmidbauer rät: Das Weglassen ist mit die wichtigste Technik einer guten Präsentation. Die müssen Sie lernen und beherrschen, wenn Sie regelmäßig präsentieren. Der Zuhörer kann nämlich nur einen Bruchteil dessen aufnehmen, was Sie als Redner über ihn ausgießen können. Wenn es zuviel wird, verliert der Zuhörer die Übersicht und Sie sein Vertrauen.
O-Ton: „Ich habe sowenig Präsentationszeit, da kann ich nicht alles sagen. Deshalb habe ich alles, was ich nicht sagen kann, mit auf meine Charts gepackt. Dann können es die Leute wenigstens lesen.“
Schmidbauer rät: Sind die Charts mit Fakten überladen, dann ist der Zuhörer hin und her gerissen. Soll er Ihnen zuhören? Soll er die Charts lesen? Die Präsentation wird zur Zerreißprobe – die Sie verlieren. Überfrachten Sie Ihre Präsentation nicht. Wenn Sie interessante zusätzliche Details haben, dann teilen Sie sie als gedrucktes Hintergrundmaterial aus – aber bitte erst nach Ihrem Präsentationsvortrag.

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