Es ist zum Kotzen. Ich sitze brütend und grübelnd am Schreibtisch, im stillen Clinch mit einem Konzept. Ich schmiere Zettel über Zettel voll, hundert Anläufe, aber kein großer Sprung nach vorne, nur Fehlversuche. Alles, was ich mir ausdenke, bleibt seltsam blass und spillerig. Mir fehlt heute ganz einfach das kleine, aber entscheidende Fünkchen Inspiration. Nichts geht mehr!
Ach was, da hilft auch der ganze konzeptionelle Werkzeugkasten nicht mehr weiter. Selbst meine zahlreichen Erfahrungen, auf die ich sonst so stolz bin, können mich nicht retten. Wenn die Inspirationen ausbleiben, dann fehlt der Konzeptarbeit das innere Bindemittel. Alles bleibt haltloses Stückwerk.
Mein Arbeitstag ist schon fast rum und ich bin kräftig auf der Stelle getreten. Die Stunden kann ich dem Kunden doch nicht abrechnen – nur zu verbuchen unter Lebenserfahrungen. Eigentlich wäre es besser, ich würde den Griffel fallen lassen und mir eine neue CD kaufen gehen oder eine Runde durch den Park joggen oder mit meiner Tochter im Kino bei „Garfield 2“ gehörig ablachen. Aber irgendwie bleibe ich wie festgenagelt am Schreibtisch hocken. Pass auf, gleich klappt es! Gleich platzt der Knoten! Man könnte doch zum Beispiel…! Könnte man? Nein, das wäre nicht gekonnt.
Und dann läuft ein E-Mail ein. Erst will ich es gar nicht lesen. Lasst mich doch zufrieden, knurre ich. Aber kann das, wenn ich es recht überlege, nicht doch was Wichtiges sein. Ein neuer Auftrag vielleicht? - Es ist eine Mail aus der Schweiz. Jemand schreibt mir: „Ich arbeite gerade an einem Konzept und lese Ihr Buch. Es eröffnet mir Horizonte!“ Das tut gut! Ich lächle, atme durch und schaue wieder auf mein Blatt. Mit einem Mal bricht irgendwo ganz dahinten ein Licht durch - und auch bei mir öffnet sich der Horizont. Endlich! Ich lege los…
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