Als ich gerade noch einmal meinen Eintrag „Fast Track-Konzepte“ aus der letzten Woche überflog, fiel mir wieder ein erfolgreich verdrängter Konzeptjob ein, der gute drei Jahre zurückliegt.
Der Unternehmensvorstand hatte einen „Lenkungsausschuss“ zusammengestellt, der ein Kommunikationskonzept für eine neue Produktlinie entwickeln sollte. Ich wurde als Berater engagiert, um navigierend mit ins Lenkrad zu greifen. Am Lenkungsausschuss waren alle wichtigen Bereiche des Hauses beteiligt, über 20 Damen und Herren. Die anfängliche Aufbruchstimmung in der Ausschussarbeit war schnell verflogen und es begann ein ungelenkes Ringen zwischen den einzelnen Einflussbereichen und Machtfiguren. Die Konzeptentwicklung schleppte sich Woche für Woche immer mühsamer voran. Es wurden Unterarbeitsgruppen gebildet, verschiedene Konzeptvarianten skizziert, über Zielgruppendefinitionen regelrecht abgestimmt und tagelang Wort für Wort an der Positionierung formuliert. Die Stundenzahl, die ich in endlosen Sitzungen verbrachte, war längst im dreistelligen Bereich angelangt und brach alle Rekorde. Endlich nach vier Monaten war das Konzept „gereift“. In das knapp hundertseitige Ergebnis waren alle Interessen eingeflossen und die Beteiligten äußerten sich voll zufrieden. Der Vorstand sprach von einem „Meilenstein“ und gratulierte dem Lenkungsausschuss in einem ausführlichen Artikel der Mitarbeiterzeitschrift.
Rückblickend war es zweifellos der kolossalste Konzeptionsprozess, an dem ich je mitgewirkt habe. Das Resultat allerdings gehörte zu den miserabelsten Konzepten. Die Qualität eines Konzeptes ist nämlich nicht an der Anzahl der Arbeitsstunden zu messen, die eingeflossen sind. Oder noch anders ausgedrückt: Je aufwendiger die Konzeptionsarbeit, desto größer ist die Gefahr, dass der Berg kreist und nur eine Maus gebiert.
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Kommentiert von: forex robots reviews | 11. April 11 um 11:24 Uhr