In meiner Kindheit (einst in den 60ziger Jahren) stellte der gemeinsame Restaurantbesuch einen Höhepunkt des Familienlebens dar. Ich erinnere mich, meine Eltern hatten damals eine eiserne Maxime bei der Auswahl der geeigneten Lokalität. Sie hielten stets Ausschau nach einem Schild mit der Aufschrift „Hier kocht der Chef“. Dieses Versprechen flößte ihnen Vertrauen ein und beendete schlagartig die Qual der Wahl.
Heute Vormittag stellte ich Material für einen Vortrag zusammen und da kam es zu einem unerwarteten Déjà vu. „Krisen-PR ist Chefsache“ las ich in den Unterlagen zum Deutschen PR-Tag 2006. Im Weblog Exiting Commerce erfuhr ich gleich darauf, „warum Blogging Chefsache sein sollte“. In einem Buch des FAZ-Instituts sammelte ich Fakten zur „Chefsache Issue-Management“. Diese geballte Ladung Chefvertrauen brachte mich schließlich dazu, den Begriff spaßeshalber zu googeln. Wie hätten Sie es denn gern? Alles ist im Angebot! PR ist Chefsache. Werbung ist Chefsache, Direktmarketing ist Chefsache, Sponsoring ist Chefsache, Internet ist Chefsache…
Ob dieser grenzenlose Glaube an die Omnipotenz der Chefetage heute noch sachdienlich ist? Ich für meinen Teil wage das zu bezweifeln. Die meisten Chefs haben doch kaum Sachkenntnisse. Sie überfliegen kurz das Management Summary, treffen ihre Entscheidungen mit dem Bauch - und damit basta! Deshalb bin ich mehr für flache Hierarchien und für engagierte Mitarbeiter, die die Sache selbst in die Hand nehmen.
Aber vielleicht meinen die zahlreichen Chefsachverwalter ihre beschwörende Formel ja ganz anders? Wie sagte Sam Walton: „Es gibt nur einen Chef: den Kunden!“ Aus diesem Blickwinkel bekäme die Chefsache plötzlich wieder einen gewissen Charme.
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