In den meisten meiner Briefinggespräche frage ich nach möglichen Krisengefahren und präventiven Planungen. Mit dürftigem Erfolg. Fast immer winken und wiegeln meine Gesprächspartner ab: „Krise? Bei uns doch nicht!“
Die nächste Krise kommt bestimmt, aber sie trifft nur die anderen. Das scheint die unverrückbare Überzeugung im Management deutscher Unternehmen und Institutionen zu sein. Präventive Krisenpläne werden zwar in Fachartikeln und Vorträgen seit Jahren eindringlich angemahnt, aber mir sind solche Pläne in der Praxis der letzten Jahre selten begegnet. Kommt mir manchmal so vor, als gäbe es die Prävention vornehmlich in den Köpfen der Krisen-Berater – oder?
Im Februar dieses Jahres luden mich Ralf Laumer und Jürgen Pütz ein, an ihrem neuen Buch „Krisen-PR in der Praxis“ mitzuschreiben. Ich habe sofort zugesagt und losgelegt. Die Arbeit ging mir gut von der Hand, denn ich musste eigentlich nur meinen kleinen Erste-Hilfe-Konzeptionskoffer für den Krisenfall aufklappen, die wichtigen Instrumente herausgreifen und ihren praktischen Einsatz an einem konkreten Ernstfall-Beispiel demonstrieren. Zwar hatte mir der Verlag lediglich 12 Seiten zugestanden, aber irgendwie riss mich die Krisenstimmung so mit, dass ich am Ende mit der doppelten Seitenzahl über mein Ziel hinausschoss.
Das Buch „Krisen-PR in der Praxis“ wurde letzte Woche auf der Buchmesse in Frankfurt vorgestellt und ist ab sofort im gut sortierten Buchhandel erhältlich. Mir gefällt übrigens der Untertitel besser, denn „Wie Kommunikations-Profis mit Krisen umgehen“ sagt ziemlich genau, was Sache ist. Es geht nicht um Theorien, Prinzipien und Modelle. Auch auf das große Sturmgeläut im Krisentheater wird verzichtet. Das Buch konzentriert sich eher auf praktische Erfahrungswerte. Geschrieben von Leuten, die Krisen nüchtern und mit Augenmaß sehen. So jedenfalls mein Eindruck nach der ersten Lektüre.
- Krisen-PR in der Praxis
- Ralf Laumer und Jürgen Putz (Herausgeber)
- Daedalus Verlag, Oktober 2006
- borschiert, 288 Seiten
- 24,80 Euro
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