Auch ich bin registrierter Nutzer von OpenBC. Ursprünglich wollte ich fleißig Kontakte knüpfen und in interessanten Foren mitdiskutieren. Das hatte ich zumindest als guten Vorsatz. Jedoch stecke ich meist bis zum Anschlag in Aufträgen, sodass ich bisher noch nie an meinem persönlichen Netzwerk stricken konnte.
Trotzdem ist openBC für mich nützlich - nur anders als von den Initiatoren geplant. Ich nutze es hier und da zum „Profiling“. Ein Beispiel soll veranschaulichen, was gemeint ist: Ein Unternehmen schreibt einen Wettbewerb für eine Imagekampagne aus. Die Chefin der Unternehmenskommunikation und die Pressesprecherin laden mich zum Briefinggespräch ein. Sie sind nett, aber zugeknöpft. Drei weitere Agenturen stehen mit im Wettbewerb, doch die beiden Damen wollen mir die Mitbewerber keinesfalls verraten.
Im Büro nehme ich die Visitenkarten meiner Gesprächspartnerinnen, tippe die Namen in die Suchmaske von OpenBC - und habe Glück. Beide sind mit eigener Profilseite vertreten. So erfahre ich alles über ihre Ausbildung, ihre Vortätigkeiten, ihr Spezialwissen und ihre privaten Hobbys. Eine der beiden macht aktiv in einem Forum mit. Ich kann erkennen, dass sie sich stark für interne Kommunikation interessiert. Im Unternehmen muss es anscheinend interne Imageprobleme geben (auch wenn im Briefing davon nicht die Rede war). Als nächstes gehe ich die bestätigten Kontakte durch. Insgesamt fünf Namen stammen von Mitarbeitern aus der Agenturbranche. Sofort sichte ich die Websites dieser Agenturen. Bei vieren stimmen Kernkompetenzen und Referenzen, sie würden hervorragend in den Wettbewerb passen. Die Mitarbeiter einer der Agenturen führen ein eigenes Weblog. Ich studiere die Einträge und erfahre, dass der Chefgrafiker sich auf Corporate Designs spezialisiert hat und großen Wert auf ein stringentes „Branding“ legt. Ein anderen Beitrag begründet, warum die Agentur zukünftig „Live-Kommunikation“ (= Event-Marketing) als zentrales Schwungrad ihrer Arbeit sieht. Äußerst aufschlussreich das alles!
Es braucht nur eine gute halbe Stunde investigative Arbeit und ich besitze ein ausführliches Dossier der Verantwortlichen im Unternehmen sowie eine Auflistung der wahrscheinlich beteiligten Agenturen inklusive ihrer Arbeitsphilosophien und Talente. Wie sagte schon Sun Tsu vor über 2500 Jahren: Wenn du deinen Gegner besiegen willst, dann lerne ihn kennen.“
Hat da jemand was von Privatsphäre gesagt? Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, doch nicht in den Sphären von Web 2.0!?
:-) !
Kommentiert von: Rolf Langhoff | 23. Oktober 06 um 14:43 Uhr