Gestern skizzierte SCHMIDBAUER in groben Zügen ein kleines Konzept für die Imagebroschüre eines Industrieunternehmens. Sein Kunde hatte feste Vorstellungen, wie SCHMIDBAUER das Unternehmen auf 36 Seiten in Szene setzen soll. Ein Punkt lag dem Kunden am Herzen. „Denken Sie dran, dass unser Unternehmensname im gesamten Text durchgehend in Versalien steht.“ SCHMIDBAUER versuchte ihm das auszureden. Vergeblich, er stand auf verlorenem Posten.
Es gibt eine Reihe von weit verbreiteten Unsitten in der institutionellen Kommunikation. SCHMIDBAUER findet, dazu gehört die penetrante Großschreibung von Unternehmens- oder Produktnamen. Wenn in längeren Fließtexten alle drei Zeilen eine Großbuchstaben-Sperre seinen Weg kreuzt, dann fühlt sich SCHMIDBAUER im Lesefluss unnötig gestört. Aus dem Fließtext wird eine Holperstrecke.
Und nicht nur, dass es SCHMIDBAUER beim Lesen stört, er findet es auch stillos. SCHMIDBAUER denkt, es hat einen guten Grund, warum Schriftsteller die Großschreibweise in ihren Romanen überaus selten und wohldosiert einsetzen. Die versale Schreibweise erzeugt beim Lesen im Kopf des Lesers einen Aufschrei – und zuviel davon nervt. Wenn SCHMIDBAUER beim Lesen von Unternehmens- und Produktbroschüren ständig mit der Großschreibweise konfrontiert wird, dann erlebt er das als „Marktschreierei“. Das Unternehmen macht sich wichtig und wirkt wie ein „Gernegroß“.
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