Was das Handy angeht, so haben sich in unseren Immer-erreichbar-Zeiten zumindest einige fundamentale Benimmregeln etabliert. So bleiben inzwischen in meinen Vorlesungen und Seminaren die mobilen Telefone der Teilnehmer weitgehend ausgeschaltet. Das war nicht immer so.
Leider aber hat sich im letzten Jahr ein neuer digitaler Störenfried ins tägliche Business eingenistet. Er unterwanderte beharrlich immer mehr Sitzungen, Tagungen, Seminare und Präsentationen, dieser kleine eckige schwarze Kasten, der auf den Namen „Blackberry“ hört und zur Gattung der Push- Mail-Dienste gehört. Für den Manager von heute scheint er unentbehrlich zu sein.
Ich erinnere mich mit Schrecken an mein Konzeptionsseminar im letzten Sommer, als zwei Teilnehmer den ganzen Tag rege Rushhour auf ihren Handhelds hatten. Ihre Blicke wurden vom digital gepushten Lesestoff derart gefesselt, dass für meinen poplig analogen Lehrstoff nur noch ein halbes Ohr übrig blieb.
Zwei Monate später strandete dank eines „Heckmeckblackberry“ einer meiner Konzeptpräsentationen. Gerade als ich die Markenpositionierung auf den Punkt bringen wollte, lief beim Vorstandsvorsitzenden eine wichtige Nachricht auf dem allzeit bereit liegenden Blackberry ein. Plötzlich war der gute Mann völlig abgelenkt und ward für den Rest meiner Präsentation nicht mehr für das Konzeptthema zu interessieren.
Damit nicht genug. Zwischen Weihnachten und Neujahr ging ich mit meinem Sohn ins „Deutsche Theater“ in Berlin. Auf dem Spielplan stand die letzte Vorführung vom „Tod eines Handlungsreisenden“. Just in dem Moment als der ausgebrannte Willy Loman zum verzweifelten Monolog anhob, da glomm seitlich von mir der vertraute Schein eines Blackberry-Displays auf. Erst traute ich meinen Augen nicht, aber es war wahr: Mein Sitznachbar entzifferte im Halbdunkeln ganz ohne Hemmungen ein gerade eingelaufenes Mail. Ausgerechnet im „Tod eines Handlungsreisenden“! Dieser Blackberry-Banause! Ich habe mich schwarz geärgert!
man sollte schon gewisse grenzen ziehen. wieso geht man ins theater? sicherlich nicht um erreichbar zu sein
Kommentiert von: Paul Buchhorn | 06. Januar 07 um 14:55 Uhr