In meiner heutigen Klauberei geht es um mehr als nur ein Wort. Sollten Sie zufällig eines meiner Konzepte lesen, werden Sie eher früher als später über den Ausdruck „Im konkreten Einzelfall“ stolpern. Er gehört seit Jahren zu meinen festen Floskeln. Sie lesen beispielsweise: „ Die Kommunikationsaktivitäten 2007 laufen über die Zentrale in München. Im konkreten Einzelfall sind auch die Filialen involviert.“ Ich stelle eine Regel auf, schlage gleich im nächsten Satz einen Haken und schiebe die Ausnahme nach. „Im konkreten Einzelfall“ täuscht eine halbe Kehrtwende an. Die kleine rhetorische Finte baut mir eine Deckung auf und beugt möglichen Ein- und Widersprüchen vor. Im vorliegenden Fall hatte der Chef darauf bestanden, dass alles über München läuft. Die Filialleiter fühlten sich ausgebootet. „Im konkreten Einzelfall“ gab dem Chef recht und zeigte zugleich Verständnis für die Filialen. Beiden Seiten war genüge getan, der Widerspruch blieb aus.
In einem anderen Konzept lesen Sie: „Die Botschaften der Akzeptanzkampagne werden aus den Produktstärken abgeleitet. Im konkreten Einzelfall kann auch eine Unternehmensstärke kommuniziert werden.“ Wenn Sie weiterlesen, dann erkennen Sie schnell, dass meine Botschaften ausnahmslos auf Produktstärken basieren. Doch mein Bauchgefühl hatte mich gewarnt, dass in der Konzeptbesprechung zweifellos Stimmen laut werden, die sich für die Unternehmensstärken stark machen. „Im konkreten Einzelfall“ war ein Präventivschlag gegen diese Stimmen. Den Bedenkenträgern wurde durch eine angetäuschte Wende ein wenig der Wind aus den Segeln genommen.
Warum ist „Im konkreten Einzelfall“ ein Täuschungsmanöver? Für alle, die es noch immer nicht begriffen haben: Weil in der Umsetzung der Einzelfall in der Regel nie konkret wird.
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