Irgendwann 1992 habe ich bei Lintas in Hamburg (Gibt´s die Agentur überhaupt noch?) zum ersten Mal bei einer Videokonferenz mitgemacht. Es lag ein Hauch von Pioniergeist im Raum. Wir kämpften beherzt mit technischen Problemen wie Rückkopplungen und Bildausfällen. Aber das waren Kleinigkeiten, denn schließlich standen wir in direkter Verbindung zur Zukunft und eroberten uns Neuland. Anschließend waren alle Konferenzteilnehmer fest davon überzeugt, dass wir in ein paar Jahren die Mehrzahl unserer Beratungen mit Kamera und Monitor gestalten würden. Auch ich glaubte fest daran. Aber es kam anders. Von 1992 bis heute stand bei mir nur alle Jubeljahre mal eine Videokonferenz auf dem Terminkalender. Zwar wurde durch das Web vieles einfacher, aber dennoch blieb der ganze große Durchbruch der neuen Technologie aus.
Dieser Tage habe ich nach zwei Jahren Pause mal wieder in einer Videokonferenz gesessen. Es war wie immer. Niemand in der Runde wurde so richtig warm. Die Gruppenchemie blieb träge und ohne impulsive Reaktionen. Es war wie bei einem dieser amerikanischen Gefängnisfilme am Besuchstag. Zwischen den Gesprächspartnern stand eine kalte Glaswand, die kaum Emotion und Intuition durchsickern ließ. Unsere Konferenz blieb kontaktarm. Vielleicht übertreibe ich ein wenig, aber mir war, als läge eine autistische Kälte im Raum. Doch kaum war der Monitor abgeschaltet, kam plötzlich Bewegung in die Runde und Inspiration ins Gespräch. Alle Beteiligten fühlten sich wie erlöst und legten los.
Mir fällt das papierlose Büro ein. Auch das war so eine enthusiastische Prophezeiung von Anfang der 90ziger Jahre. Auch daran habe ich fest geglaubt. Heute, eine ganze Ewigkeit später, drucke ich mehr Papier denn je aus. Der Monitor taugt nur zum Überfliegen, er lässt mich nicht eintauchen. Alles, was ich verinnerlichen und verarbeiten will, brauche ich Schwarz auf Weiß auf chlorfrei gebleichtem Grund.
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