Manchmal ist mir Werbung ein Rätsel. Zum Beispiel diese Anzeige der Bundesagentur für Arbeit:
Das Anzeigenmotiv stand letzte Woche großformatig in der Zeitung meines Vertrauens und wahrscheinlich auch in vielen anderen deutschen Tageszeitungen. Im Text wurde unmissverständlich darauf hingewiesen: „Exklusiv. Für Arbeitgeber“. Was für eine Punktlandung! Die Zahl der Arbeitgeber unter den Lesern meiner Zeitung dürfte stark begrenzt und die Streuverluste folglich immens sein. Das kommt mir vor wie Zielgruppenansprache mit der Schrotflinte im Dunkeln. Und ich dachte immer, solche Zeiten wären vorbei.
Das Bildmotiv zeigt einen Fischkopf und ein Messer. Fischkopf? Messer? Bundesanstalt für Arbeit? Was wollen die mir damit sagen? Ist das Werbung für Arbeitsplätze in der Fischindustrie? Oder werden versierte Messerwerfer für den Zirkus gesucht? Ich gebe mir wirklich jede erdenkliche Mühe, aber die Bildbotschaft will sich meinem Intellekt einfach nicht erschließen. Vielleicht mangelt es mir ja an Fantasie…aber ob ausgerechnet Arbeitgeber mehr Fantasie haben?
Werfen wir einen klärenden Blick auf die Headline. Doch die hilft als Erklärung auch nicht weiter, denn es gibt sie nicht. Oder sollte vielleicht die elegant dezente Telefonnummer als Headline herhalten? Nein, das kann ich mir nicht vorstellen! Wer erfahren will, dass es sich um eine neue bundesweite Servicenummer für Arbeitgeber handelt, der muss schon entschlossen in den Block mit Fließtext eintauchen. Aber wer tut das schon? Kaum jemand - vor allem, wenn er Arbeitgeber ist und ständig unter Stress steht.
Gerade schaut mir meine Frau über die Schulter und widerspricht. Sie meint, ich läge mit meiner Einschätzung völlig falsch. Immerhin sichert die Bundesanstalt für Arbeit mit dieser Anzeigenkampagne Arbeitsplätze in einer Agentur und bei mehreren Tageszeitungen. Da hat sie nun auch wieder recht. So habe ich das noch gar nicht gesehen.
Immerhin ist das Messer "Made in Germany" :-)
Kommentiert von: Alexander | 23. Juni 07 um 18:50 Uhr
Nun, ich muss sagen, ich fand die Anzeige recht vergnüglich, lässt sie doch Spielraum für viele Assoziationen.
Ich glaube - denn wissen kann ich es natürlich nicht genau - dass die Kreativen messerscharf Fischhändler im Blick hatten, da diese ja bekanntlich mit alten Zeitungen Fische einwickeln. Davon gibt es hunderte, ach, was sag ich tausende! :)
Auf diese Art und Weise wird diese wertvolle Telefonnummer dann heimlich und völlig subversiv an Arbeitgeber weitergegeben.
Dann nämlich, wenn sie nichtsahnend mit Fischhunger samstags morgens noch müde vom freitagabendlichen Mittelständler-Stammtisch dem Marktschreier einen Fisch abkaufen gehen und wenn es auch nur ist, damit der endlich mit dem Schreien aufhört (Kater).
Vielen Dank für den Artikel - er hat mich gerade von meiner eintönigen Gedankenwelt abgelenkt! :)
Kommentiert von: HeiFisch | 18. Oktober 07 um 12:07 Uhr