Wie schon seit vielen Jahren so fand auch heuer wieder der Wettbewerb zum bedrohten Wort statt. Unter großer Anteilnahme der Medien wurde eine Hitparade der aussterbenden Wörter zusammengestellt. Auf den ersten Platz kam 2007 das schöne Wort „Kleinod“.
Auch ich will heute mein Scherflein beitragen, um ein bedrohtes Wort vor dem Vergessen zu retten.
Neulich saß ich in einem Agenturmeeting und stimmte die am nächsten Tag anstehende Präsentation ab. Da fragte der anwesende Chef in die Runde, ob denn vor Ort im Präsentationsraum eine „Blutrinne“ sei. Blutrinne?!? Alle schauten ihn verständnislos an. Es dauerte einen Moment und dann dämmerte es bei mir. Langsam, ganz langsam stieg die Erinnerung an vergangene Zeiten hoch. Damals in meiner beruflichen Anfangszeit Mitte der 80ziger Jahren erfreute sich das blutige Wort in der Werbebranche eines regen Gebrauchs. Aber mit zunehmender Computerisierung und Digitalisierung der Präsentation verschwand es mehr und mehr in der Versenkung.
Die Blutrinne gab es früher in vielen Präsentationsräumen von Agenturen und Unternehmen. Es war ein schmales langes Holz- oder Metallbord an der Wand mit einer Vertiefung über die gesamte Länge, ähnlich wie die Kreiderille bei der guten alten Schultafel.
Wenn die Grafiker und Kreativen ihre Anzeigenlayouts oder Plakatentwürfe präsentieren wollten, dann stellten sie die Dinger in einer Reihe nebeneinander in der Rille der Blutrinne auf.
Warum das Bord Blutrinne hieß? Also bitte, das liegt doch auf der Hand! Sobald die unschuldigen Gestaltungsvorschläge in der Rinne standen, zückte der gnadenlose Kunde sein rhetorisches Rasiermesserchen und zerlegte mit messerscharfen Sätzen die Layoutvorschläge, dass das Blut nur so spritzte.
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