Zweieinhalb Jahre lang habe ich meine favorisierten Blogs als Newsfeed abonniert. Jeden Tag stapelten sich die jeweils neuesten Einträge der von mir abonnierten Blogs wie e-Mails aufgelistet in meinem Reader. Im Juni 2007 habe ich die Feeds radikal gekappt und stattdessen meine Lieblingsblogs zu einer exklusiven Bookmark-Gruppe vereinigt. Nach sechs Wochen Testphase lässt sich resümieren, dass ich mich ohne „Newsfeed-Fastfood“-Konsum um Klassen wohler fühle.
VORHER
Nach einem harten Arbeitstag wollte ich noch schnell die neuen Eintragungen im Feed sichten. Alle Blogs waren portionsgerecht in Listenbäumen strukturiert. Allerdings fehlte im Reader-Fenster jegliches Blogdesign, die neuen Einträge listeten sich lediglich als Arial-Fließtext untereinander. Ich las hier an, ich las da an. Ich überflog, klick und weiter, klick und weiter. Die Neuigkeiten blieben fast alle an der Oberfläche und trieben schnell ab. Ab und zu stand ich dann so voll im Stress, dass an Bloglesen nicht zu denken war und der Reader überfloss. „257 neue Einträge“ drohte mir die Anzeige oben rechts. Das war nicht mehr zu schaffen! Ich klickte auf „Alle als gelesen markieren“ - und fertig. Der stetige Infostrom des Readers brachte das Vergnügen zur Strecke.
NACHHER
Heute Abend, wenn alles getan ist, setze ich mich eine halbe Stunde mit meinem Notebook aufs Sofa und blättere in meinen Lieblingsblogs, die über Bookmarks bequem zu erreichen sind. Jeder Blog hat jetzt wieder sein Design-Gesicht, seinen individuellen Aufbau und entwickelt Persönlichkeit. Ich haste nicht mehr vorüber, sondern bin zu Gast. Ich schaue mich um, studiere die Randspalten, klicke auf Links und Kommentare, blättere in alten Eintragungen. Ich bleibe so lange ich Lust habe, lese was mich interessiert, ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Plötzlich fühle ich mich in der Bloggerwelt wieder zu Hause und nicht nur auf dem schnellen Transit.