Ich sitze hier und schmökere in einem nagelneuen Fachbuch mit vielen Fallbeispielen aus der Praxis der Kommunikationsarbeit. Ein Fall toller als der andere. Nur das Beste aus der Praxis. Kommunikation in Vollendung. Perfekte Planung und gloriose Erfolge. Ich staune, ich staune! (Vor allem, weil ich aus eigener Praxis nur zu gut weiß, wie viel in der Wirklichkeit der Unternehmens- und Marketingkommunikation schief gehen kann. Aber dazu findet sich im Buch kein Wort.)
Da fällt mir ein, es ist schon eine Zeit her, da hatten ein Kollege und ich die Idee, ein Buch in Angriff zu nehmen, in dem viele Fallstudien aufgenommen werden sollten – aber bei uns lauter Beispiele von Kampagnen und Projekten, die ins Stottern geraten und vielleicht sogar schief gegangen sind. Aus dem Durchleuchten von Fehlern ließe sich viel Erhellendes lernen, meinten wir. Wir fragten bei einer Reihe von Unternehmen und Institutionen persönlich an, ob sie so gut wären, uns entsprechende fehlerbehaftete Fallbeispiele aus ihrem Kommunikationsalltag zur Verfügung zu stellen. Das Ergebnis war niederschmetternd. Niemand war bereit, auch nur den kleinsten Fehler zuzugeben, geschweige denn, ihn uns als Lernbeispiel zu überlassen. Uns blieb nichts anderes übrig, als unsere Buchidee wieder zu begraben. Auf „Best Practise“ hatten wir nämlich keinen Bock. Diese ewigen Selbstbeweihräucherungen sind mehr als langweilig, sie sind todlangweilig.
Kommentare

Aber lesen will so etwas wohl auch nur eine Minderheit (da zähl ich mich dazu). Zudem glaub ich, daß die meisten Fachbuchkäufer,-überflieger,-leser - da muß man Unterschiede machen - sich auch nicht gedanklich mit Fehlern auseinandersetzen wollen, es sei denn, es handelt sich um sofort nachvollziehbare Sprüche von Fußballprofis.
Kommentiert von: frank | 14. Februar 08 um 12:45 Uhr
Hallo Klaus,
es gibt ein tolles Buch zu diesem Thema:
In Search of Stupidity. Over Twenty Years of High Tech Marketing Disasters von Merrill R. Chapman Allein der Titel ist schon brillant. Vielleicht muss man sich ja für ein Buch über deutsche Fälle an ehemalige PR-Berater wenden, die nichts mehr zu verlieren haben... :-)
Viele Grüße aus Wiesbaden
Andreas
www.osicon.de
Kommentiert von: Andreas Romppel | 22. Februar 08 um 11:50 Uhr
Danke für den Tipp. Ich hab mir das buch gleich bestellt!
Gruß. klaus
Kommentiert von: Klaus Schmidbauer | 24. Februar 08 um 12:44 Uhr
Wenn das mit dem Best Practise nicht geklappt hat, gibts immer noch "lessons learned". Oft gehörter Satz bei meiner letzten Firma: Setzen Sie mal einen Termin auf. Da machen wir lessons learned. Das war dann so langweilig, kaum einer ging hin. Es waren ja eh immer die anderen oder eben die Kunden schuld, hm?
Kommentiert von: satyasingh | 05. März 08 um 15:09 Uhr