Am Rande einer Vorlesung fing mich eine Studentin ab und beschwerte sich vehement.
Studentin: „Sie hatten mir doch dieses Buch zur Unternehmenskommunikation empfohlen. Das Buch ist ein verdammter Etikettenschwindel!“
Schmidbauer: „Wieso das denn? Das Buch gilt als Standardwerk!“
Studentin: „Nehmen Sie den Begriff „Schafskäse“. So nennen wir in unserem Kulturkreis alle Käsesorten, die aus Schafsmilch gewonnen werden, hab ich recht?“
Schmidbauer:„Äh, Entschuldigung, aber ich glaube, ich verstehe nicht ganz...“
Studentin: „Oder wie wär´s mit dem Begriff Fernsehshow. Das sind alle Shows, die im Fernsehen ausgestrahlt werden. Stimmen Sie mir da zu?“
Schmidbauer: „Restlos!“
Studentin: Ja, und damit komme ich zum Begriff der Unternehmenskommunikation. Darunter versteht mein gesunder Studentenverstand erst einmal alles, was ein Unternehmen an Kommunikation macht.“
Schmidbauer: Hier irrt der Studentenverstand. Die Unternehmenskommunikation deckt leider nicht das gesamte Spektrum der Kommunikation eines Unternehmens ab, sondern nur einige, wenn auch wichtige Facetten.“
Studentin: „Das habe ich bei der Lektüre Ihrer Buchempfehlung auch schnell geschnallt. Unternehmenskommunikation, las ich da raus, ist nur der Bereich der Kommunikation, der direkt das Unternehmen und nicht die Produkte oder Dienstleistungen ins Gespräch bringt.“
Schmidbauer: „Ziemlich richtig, aber nicht ganz.“
Studentin: „Helfen Sie mir auf die Sprünge?“
Schmidbauer: „Kommunikationsaufgaben, die z. B. den CEO, die Mitarbeiter, die Forschungs- und Entwicklungsarbeit oder die Aktionäre ins Rampenlicht stellen, rechnen normalerweise auch noch zur Unternehmenskommunikation.“
Studentin: „Aber es ist doch richtig, dass die Unternehmenskommunikation ihre Wurzeln in der Public Relations hat?“
Schmidbauer: „Die Wurzeln ja, aber ansonsten sind PR und Unternehmenskommunikation nicht deckungsgleich. Die wichtige Produkt-PR gehört zum Beispiel nicht zum Hoheitsbereich der Unternehmenskommunikation.“
Studentin: „Wo bringe ich die unter?“
Schmidbauer: „In den Sektor der Marketingkommunikation. In diesem Bereich geht es vorrangig darum, Sortimente, Produkte und Dienstleistungen nach vorne zu bringen. Wobei Sie auch da aufpassen müssen. Wenn ein Produkt einen Award gewinnt oder eine wissenschaftliche Studie zum Sortiment veröffentlicht wird, dann reihen sich diese Themen nicht in die Marketing- sondern in die Unternehmenskommunikation ein.“
Studentin: „Moment, Sie bringen mich auf eine Idee. Wie wäre es mit folgender Begriffsbestimmung: Unternehmenskommunikation hat den guten Ruf des Unternehmens im Visier und die Marketingkommunikation das Geld verdienen?“
Schmidbauer: „Gefällt mir, trifft aber den Nagel wieder nicht voll auf den Kopf. Mir fällt der gesamte Shareholder-Bereich ein, da geht es allerallerheftigst ums Geld verdienen. Die Aktionärspflege schlagen aber fast alle Unternehmen der Unternehmenskommunikation zu. Hinzu kommt, dass in vielen Branchen, wie beispielsweise der Autobranche, das Unternehmensimage entscheidenden Einfluss auf das Geldverdienen hat. Die beiden Seiten lassen sich einfach nicht trennen.“
Studentin (seufzt): „Sch…., ich geb´s auf. Warum einfach, wenn´s auch konstruiert und kompliziert geht …“
Ja, in vielen Teilen einverstanden - aber mit Verlaub: Wenn ich einem Kunden erzähle, Unternehmenskommunikation machen wir einfach so, zum Selbstzweck, weil es schön ist und nur bei den Shareholdern, dann liege ich da auch nicht ganz richtig. Am Ende zählt, was unten rauskommt: Und das ist dann eben Geld verdienen oder nicht. Irgendwie sollte jede Kommunikationsmaßnahme darauf abzielen: Nicht in meinen Augen (denn die Zählen aus Kundensicht nicht), sondern aus der Sicht des Kunden... Einverstanden?
Kommentiert von: Valentin | 29. März 08 um 12:31 Uhr
Ja, unbedingt! Wenn ich es nicht schaffe, mich auf den Kunden einzustellen, dann habe ich ihn schnell verloren. Ich versuche oft sogar noch einen Schritt weiter zu gehen und aus der Sicht der Kunden des Kunden die Lage einzuschätzen.
Kommentiert von: Klaus Schmidbauer | 29. März 08 um 13:03 Uhr