Der arme Willi L.! Über zwanzig Jahre hat er der deutschen Werbebranche aufopfernd gedient. Er trug ganze Armeen von Layoutpappen zwischen den Kunden und der Kreation hin und her und schlug dabei so manche glorreiche Pappenschlacht. Anzeigenpappen, Storyboardpappen, Plakatpappen, Broschürenpappen, Flyerpappen, Logopappen, Webdesignpappen – er hatte sie alle in Stellung gebracht und beharrlich verteidigt.
Fairerweise muss man sagen, dass er selbst die leicht abschätzige Vokabel „Pappenträger“ gar nicht gerne hörte. Er war der „Kundenberater“ der Agentur und so stand es auch auf seiner Visitenkarte. Im Arbeitsalltag bildete er quasi die Pufferzone zwischen dem Auftraggeber und den Kreativdirektoren der Agentur. Der Auftraggeber hatte ganz spezielle Vorstellungen, die Kreativen hatten in der Regel ganz andere Vorstellungen - und dazwischen stand Willi wie ein Fels in der Brandung. Er konnte mit beiden Seiten um jeden typografischen Punkt, um jeden Millimeter Satzspiegel und um jeden HKS-Ton engelsgeduldig verhandeln. Wenn es sein musste, trug er das gleiche Layout in unzähligen kleinen Korrekturschritten immer wieder von Pontius nach Pilatus. Und falls die Kreation wirklich mal Scheiße gebaut hatte, präsentierte er das Ergebnis beim Kunden als wäre es Gold. So einer war Willi L.
In den letzten Jahren jedoch fiel ihm sein Job zunehmend schwerer. Die goldenen Zeiten der klassischen Werbung verblassten. In der Branche war plötzlich von ganzheitlicher Kommunikation, von Crossmedia und strategischer Planung die Rede. Sein Agenturchef verpasste ihm eine neue Visitenkarte, auf der nicht mehr „Kundenberater“ sondern „Corporate Communication Consultant“ stand. Ehrlich, er hat alles versucht, sich da reinzufinden, aber es ging schief. Die neue Camouflage blieb ihm fremd. Vorbei! Für Leute wie ihn, für Kundenberater alter Schule ist in unserer modernen Kommunikationswelt einfach kein Platz mehr.
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