Wenn Sie mich fragen, die vielleicht wichtigste Funktion eines Kommunikationskonzepts ist die Orientierung. Das Konzept sagt, wo es langgeht - und alle können folgen.
Anfang Juni bekam ich ein Konzept in die Hand, das las sich gänzlich unspektakulär. Die gesamte strategische und operative Linie war Dutzendware ohne große Kreativität und Ambition. Jedoch war der Auftraggeber unendlich glücklich damit. Er berichtete mir begeistert, dieses Konzept hätte sein Unternehmen gehörig nach vorne gebracht.
Ich muss wohl etwas ungläubig geschaut haben. Deshalb klärte er mich auf, dass in seinem Unternehmen die PR-, die Werbe- und die Veranstaltungsabteilung bis zum Hals im Tagesgeschäft versänken. Eine Maßnahme jage die andere, dennoch gehe es nicht richtig voran. Zudem würde jede Abteilung für sich denken und planen, keiner wisse so genau, was der andere tut. Jeder ziehe in andere Richtung am gemeinsamen Strang.
So langsam verstand ich, worauf er hinaus wollte. In beschriebener Situation ist ein klares Konzept tatsächlich das richtige Rezept. Das Konzept schafft die nötige Orientierung. Endlich gibt es einen gemeinsamen Nenner, mit dem alle rechnen können.
Und wenn die Orientierung im Vordergrund steht, dann ist es zudem ratsam, den konzeptionellen Ball flach zu halten. Denn revolutionäre Positionierungen, einschneidende Strategien und abgefahrene Ideen würden nur Abwehrhaltung und Ablehnung provozieren. Das Konzept würde zerredet und zerrieben. Da ist es besser, das Konzept wirkt durch und durch harmlos. Dann wird es von keiner Abteilung als Gefahr erkannt, alle können sich dahinterstellen und gemeinsam die ersten Schritte in die richtige Richtung machen.
Heute habe ich im Schulbuch meines Sohnes einen passenden Spruch von Gotthold Ephraim Lessing entdeckt, der da sagte: „Der Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verlieret, kommt immer noch gwschinder voran, als der ohne Ziel herumirret!“ Wie wahr!
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