Letzte Woche hatte ich einen Termin in einem der prächtigen Bürobauten am Potsdamer Platz. Es war nicht das erste Mal, in den letzten Jahren durfte ich schon eine Reihe von ansehnlichen Bauwerken rund um den Platz näher kennenlernen. Auch in einigen der neuen Büroquartiere in der Friedrichstraße oder Unter den Linden bin ich schon gewesen. Darf man den angesagten Meinungsführern glauben, symbolisieren diese Gebäude den zukunftsweisenden Geist des neuen Berlins.
Aber um es geradeheraus zu sagen: Ich kann den Meinungsführern nicht folgen. Mein erster Eindruck war fast überall zwiespältig. Von Außen „Hui“, denn der Architekt hat mal mehr, mal weniger Visionäres in Glas oder Marmor geschaffen. Auch in den Foyers, Atrien, Foren oder wie die Eingangsbereiche heutzutage so heißen, zeigt sich viel Mut zur Größe und Sinn für Kunst. Da wird der Raum zum Manifest.
Aber sobald man weiter ins Innere des Gebäudes vordringt, verlieren sich mit einem Mal Vision und Größe. Stattdessen prägen lange schmucklose Büroflure mit Normbüros in uniformer Standardausstattung das Bild. Von Innen sehen all diese neuen Bürohäuser verwechselbar gleich aus. Hinter den Fassaden taucht man wie eh und je in die graue Arbeitswelt ein. „Wo ist der Geist der Vision geblieben?“ fragt sich Herr K. , der aus dem Fahrstuhl steigt und durch die Gänge geht. Geist der Vision? Nein, in einem solchen Ambiente fühlt sich nur der Kleingeist der Administration so richtig zu Hause.
Gut gesprochen.
Kommentiert von: Alexander | 19. Juli 08 um 18:12 Uhr