Morgen früh habe ich einen Schulterblick auf meinem Terminkalender stehen. Dem Termin sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen.
Der „Schulterblick“ gehört zur Gattung der Briefinginstrumente und ist ziemlich verbreitet. Er findet erst spät im Laufe der konzeptionellen Arbeit statt. Beim Schulterblick lasse ich meinen Auftraggeber spontan kommentierend auf mein dreiviertel fertiges Konzept schauen.
Beim anstehenden Konzept habe ich im Anschluss an die Strategie zusammen mit dem Grafiker mehrere neue Logo- und Sloganvarianten entwickelt. Mein Auftraggeber will vor der großen Präsentation nächste Woche unbedingt einen Blick darauf werfen. Er sagt, er muss auf Nummer sicher gehen, weil in der Präsentationsrunde der gesamte Vorstand mit am Tisch sitzt.
Warum sind meine Gefühle gemischt? Na ja, ich habe wiederholt schlechte Erfahrungen mit Schulterblicken gemacht. Nicht selten nutzt der Auftraggeber den Schulterblick, um Zensur zu üben. Mit Anmerkungen wie „Der Slogan kommt bei uns nie durch!“ oder „Bei dem Logo wird unser Geschäftsführer laut aufschreien“ werden die besten Ideen gekippt – weil sie ungewöhnlich sind. Übrig bleibt meist die konsensfähige Konfektionsware. Aus diesem Grund kann ich getrost auf Schulterblicke verzichten. Doch wenn der Auftraggeber darauf besteht, dann füge ich mich halt in mein Schicksal. Aber vielleicht sind das ja alles nur Unkenrufe und morgen läuft alles glatt…
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