Vor den Sommerferien hatte ich die Ehre, an einer mündlichen Abschlussprüfung für angehende Marketingkommunikationsleute teilzunehmen. Unter anderem wurde das Fach Werbung geprüft. Die Prüflinge plagten sich mit Definitionen von Begriffen wie „kommunikative Positionierung“, „Main Benefit“ und „Reason Why“. Ich saß da, hörte zu - und hatte mit einem Mal ein Déjà-vu. Damals Anfang der 80ziger Jahre in meiner mündlichen Prüfung fragte die Prüfungskommission genau die gleichen Begriffe ab. Hat sich in 28 Jahren so wenig verändert? Ist die Zeit stehen geblieben?
In meinem Bücherschrank sammeln sich in letzter Zeit vermehrt Bücher zu Themen wie Neurobiologie, Heuristik, Frame-Forschung, Verhaltensökonomie oder Komplexitätstheorie. Da tut sich ein spannender neuer Horizont auf. Der Mensch als „Nutzenoptimierer“ und „Homo oeconomicus“ ist mausetot und mit ihm sterben die tradierten Modelle, Methodiken und Tools. Wir sind gerade dabei, uns langsam aber sicher von „Main Benefit“ und „Reason Why“ zu verabschieden, auch wenn einige Werbe-Kreationisten das nicht wahr haben wollen.
Klar doch, der Wandel wird auch vor dem Kommunikationskonzept nicht haltmachen. Ich bin mir sicher, dass ich in einigen Jahren ganz anders an meine Konzepte gehen werde wie heute. Aber was soll ich sagen, ich freu mich drauf! Die nächsten Jahre dürften eine spannende Zeit werden.