Ich komme zum Briefinggespräch in die Kommunikationsabteilung eines Unternehmens. Stolz erklärt man mir, dass dort alles seine Ordnung habe. Jeder Mitarbeiter hat seit jeher seinen fest umrissenen Aufgabenbereich. Montags um 9 Uhr ist Wochenbesprechung, Anwesenheit ist Pflicht. Das Team hat kurz Rapport zu geben. Die wichtigen Entscheidungen trifft der Chef. Für Konzepte und Projektplanungen gibt es feste Schrittfolgen und Regeln, an die sich alle zu halten haben.
Die Kommunikationsplanung läuft Jahr für Jahr mustergültig nach immer gleichem Maßnahmenmuster: Neujahrempfang, Neuheitenbroschüre im März, Messestand im Mai, Sommerfest, Jahrespressekonferenz im Herbst, Mitarbeiterfest zu Weihnachten und der obligate Fotokalender als Präsent zum Jahresende. Das Ganze ist mit der Zeit Routine geworden. Jeder weiß, was zu tun und zu lassen ist und alles läuft wie am Schnürchen.
Nichts für ungut, aber mich überkommt ein leichtes Unwohlsein. In diesem Klima, denke ich mir, kann keine gute Kommunikation gedeihen. Gute Kommunikation, die braucht ständige Weiterentwicklung und Abwechslung, die braucht kreative Freiräume und ganzheitliche Konzepte, die braucht Eigenverantwortung für das Team und die Chance, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Oder?
Nichts für ungut, aber an das Ende dieses Beitrags gehört kein "oder?", sondern ein Ausrufezeichen.
Wobei der Weg in manchen Branchen genau auf diesem langweiligen Pfad sicher dennoch funktioniert. Bedauerlich...
Kommentiert von: Valentin | 11. November 08 at 17:25 Uhr
Ja, in der Tat! Der langweilige Weg ist eine sichere Sache. Wenn die Kommunikation gut verwaltet wird, nimmt die Flop-Gefahr mit zunehmenden Erfahrungswerten immer mehr ab. Und wenn ich es in den betreffenden Unternehmen wage, die Verwaltungsmentalität in der Unternehmens- bzw. Marketingkommunikation in Frage zu stellen, stehe ich oft wie ein Idiot da. Wieso, wir hören wohl nicht recht? Was will der eigentlich? Es läuft doch alles bestens!
Klaus
Kommentiert von: Klaus Schmidbauer | 14. November 08 at 11:02 Uhr