…um noch einmal auf die sich epidemisch ausbreitende Krisenstimmung zurück zu kommen. Durch Zufall bin ich gestern auf ein interessantes Interview auf globeandmail.com gestoßen. Der kanadische Wirtschaftsexperte und Managementprofessor Henry Mintzberg erläutert:
“As you may expect, I have a management lens through which I look at these things. I really think that it is significantly a management problem, more than an economic problem or financial problem. If you look at the sub-prime issue, there were two things that were indications of management gone wrong. One is the short-term nature in how people manage. So, write those mortgages as quick as you can, cash in and get the heck out which is a very short-term perspective with people who are mismanaging. This is partly because they do not care about the long-term and partly because they do not care about their own institutions or customers, they care about themselves. [...] So everything was short-term and everybody is under pressure and everybody is meeting their targets for each short-term period and so they were not managing. It is a management problem from beginning to end, and I do not think this is a banking problem or a finance problem. I think that this attitude towards management pervades the entire economy, at least for publicly traded corporations that have to meet these ridiculous short-term needs. The idea of share-holder value maximizing stock price is one of the worst things that ever happened to the American economy because maximizing share holder value means pumping up the price of the stock real quick and not worrying about the long-term consequences.”
Wie wahr! Wie wahr! Ich konnte nicht umhin, beim Lesen zustimmend mit dem Kopf zu nicken. Ja, es handelt sich im Kern um eine Managementkrise – auch in Deutschland. Ja, eine der Hauptursachen dürfte das weitgehende Unvermögen des Managements sein, mit Weitsicht und Rücksicht zu planen – nicht nur in Banken, sondern auch in vielen anderen Branchen. Alle sind sie jahrelang im Hamsterrad des Shareholder Value gelaufen.
Aber ist am Horizont ein Silberstreif des Umdenkens erkennbar? Kündigt sich ein Paradigmenwechsel im Managementdenken an? Meldet sich eine neue Generation von Wirtschaftsleuten zu Wort, die mit überkommenen Maximen und Modellen bricht? Ich habe laute Zweifel! Mir kommt es eher so vor, als ob sich allerorten die Manager in Deckung bringen, abwarten, möglichst wenig Angriffsfläche bieten, um nach dem Abebben der akuten Krisensymptome wieder den kurzfristigen Renditerekorden nachzujagen.
Nichts für ungut, aber an das Ende dieses Beitrags gehört kein "oder?", sondern ein Ausrufezeichen.
Wobei der Weg in manchen Branchen genau auf diesem langweiligen Pfad sicher dennoch funktioniert. Bedauerlich...
Kommentiert von: Valentin | 11. November 08 at 17:25 Uhr
Ja, in der Tat! Der langweilige Weg ist eine sichere Sache. Wenn die Kommunikation gut verwaltet wird, nimmt die Flop-Gefahr mit zunehmenden Erfahrungswerten immer mehr ab. Und wenn ich es in den betreffenden Unternehmen wage, die Verwaltungsmentalität in der Unternehmens- bzw. Marketingkommunikation in Frage zu stellen, stehe ich oft wie ein Idiot da. Wieso, wir hören wohl nicht recht? Was will der eigentlich? Es läuft doch alles bestens!
Klaus
Kommentiert von: Klaus Schmidbauer | 14. November 08 at 11:02 Uhr