Sonntagnachmittag, keine Telefonanrufe, nicht eine E-Mail, die Familie ist ausgeflogen und ich kann mich in Ruhe auf meinen nächsten Vortrag vorbereiten. Hoffentlich läuft der reibungsloser als beim letzten Mal (siehe Blogeintrag „Zeit ist relativ“).
Für den Vortragseinstieg habe ich mir aus verschiedenen Quellen ein Diagramm zusammengebastelt. Ich weiß, methodisch ist das keineswegs sauber, was ich da ins Schaubild setze, aber dennoch ist das Ergebnis aufschlussreich und gibt zu denken.
Die Ausgaben für TV-Werbung sind von 582,5 Mio. Euro im Jahr 1981 auf 8276,1 Mio. Euro im Jahr 2008 steil angestiegen. Wie schön für die Medien und die Werbebranche, möchte man meinen. Oder? Mir kommen Zweifel. Immerhin wurden 2003 in Deutschland jeden Tag unübersehbare 7378 Spots ausgestrahlt. Seitdem hat sich das Marktvolumen noch einmal mehr als verdoppelt, entsprechend dürfte also auch die Spotflut neue Rekordmarken erreicht haben. Aktuelle Daten dazu konnte ich allerdings nirgendwo finden. Die Branche boomt - und hat anscheinend die Bodenhaftung verloren. Denn eins ist nicht gestiegen, und kann auch gar nicht steigen. Das ist unsere bewusste Aufnahmefähigkeit, von der Wissenschaftler sagen, sie sei extrem begrenzt, ein Flaschenhals in unserem ansonsten so leistungsfähigem Gehirn. Und jetzt kommt der Punkt: Schon ganz am unteren Ende der Kurve, im Jahr 1987, vor dem großen Boom, blieben nur ganze 3 von 100 TV-Spots im Gedächtnis.
Es ist in den letzten Wochen und Monaten viel von Blasen die Rede, und wenn ich dieses neue Modewörtchen richtig verstanden habe, dann dürfte zwischen TV-Werbeumsätzen und Wahrnehmungswerten eine prächtige Blase entstanden sein, wie obiges Schaubild vor Augen führt. Fragt sich, wann und wie die Blase platzt? Und wie tief die Medien- und Werbebranche danach fällt?
(Quellen: ZAW 1984, ZAW 2004, Nielsen Media Research 2009, „Marketing- und Unternehmenskommunikation“ von Prof. Manfred Bruhn 2007)
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