Jede Agentur, die auf sich hält, hat heutzutage ihre Powerpoint-Masterfolie als feste Vorlage. Alle Präsentationen basieren auf dieser Folie und bekommen ein einheitliches Design. Typische Masterfolien sehen wie im Beispiel unten aus. Ich habe das Beispiel mit einer fiktiven Agentur nachgebaut, um Ärger zu vermeiden. Da sind alle Zutaten drin, die eine Masterfolie braucht. So oder ähnlich wird die Folie auch in Fachbüchern und Weiterbildungskursen als Muster an die Wand geworfen. Ich bin so frei und sage: Murx! So sehen Masterfolien aus, die den Nutzer zum Sklaven machen.
Nach solch groben Anschuldigungen bin ich natürlich verpflichtet, den Beweis anzutreten. Meine Beweisführung geht vom Grundprinzip jeder guten Präsentation aus: Die Folie ist der Freiraum für die Entfaltung der Inhalte! Die Foliengrundgestaltung muss alles tun, um diesen Freiraum zu erhalten. Die Masterform darf die Inhalte keinesfalls drangsalieren. Aber genau das passiert bei obigem Master. Ich gehe mal der Reihe nach die relevanten Elemente durch:
· Das Agenturlogo gehört nicht auf jede Folie. Ich weiß, dass jetzt viele Corporate-Identity-Apologeten laut aufschreien. Dennoch wiederhole ich: Das Logo gehört nicht als Konstante auf jede Präsentationsfolie. Das Logo nimmt nur Platz weg, überstrahlt mit seiner Designpräsenz die Inhalte und verkommt durch die ständige Wiederholung zum Imponiergehabe. Es reicht völlig aus, wenn die Titelfolie der Präsentation das Logo groß herausstellt und wenn sich die Agentur zu Präsentationsbeginn mit markanten Worten kurz vorstellt. Dann sind die Zuschauer voll im Bilde und gespannt auf die Inhalte. · Nicht den Präsentationstitel auf jeder Folie wiederholen. Wie auf der Beispielfolie oben links. Zum einen nimmt der Titel wieder nur unnötig Platz weg. Zum anderen ist jedes Wort weniger auf der Folie einfach mehr. · Kein Copyrighthinweis auf jede Folie. Diese Unsitte greift in letzter Zeit um sich. Liebe Präsentatoren, es reicht, wenn ihr dezent auf der ersten oder letzten Folie einen solchen Hinweis unterbringt. Aber eine ständige Wiederholung während der gesamten Präsentation wirkt kleinkariert und „würdelos“ wie diese paranoiden „Raubkopierer sind Verbrecher“-Drohgebärden, die man als Käufer einer DVD vor jedem Spielfilm über sich ergehen lassen muss. · Keine Foliennummer und kein Datum auf den Folien. Wozu auch? Den Zuschauer interessiert die Nummerierung nicht die Bohne. Der Referent hat in Powerpoint sowieso die Referentenansicht eingestellt und bekommt auf seinem Notebook die jeweilige Foliennummer gut sichtbar eingespielt. Für die Printversion ist die Nummer nützlich? Ja, aber Powerpoint ist durchaus in der Lage, die Foliennummern mitzudrucken, ohne sie in der Präsentation zu zeigen. Das gilt übrigens auch für das Datum. Auch das lässt sich in den Ausdruck einspielen, ohne es in der Präsentation zu zeigen. · Keine raumgreifenden Tabuzonen. Etwa 40% des obigen Folienraums sind für die Inhalte tabu. Der Raum wird durch überflüssige Formalismen oder Zierelemente belegt. Besonders störend ist die raumgreifende Graufläche auf der linken Seite. Es ist schon richtig, man sollte auf Folien nicht alles vollknallen und Freiraum lassen. Im vorliegenden Beispiel wird der graue Freiraum jedoch vom Master als Niemandsland für alle Folien und Präsentationen diktatorisch festgelegt. Die Inhalte sind auf Dauer ausgesperrt und an der freien Entfaltung gehindert. Alle beschriebenen Elemente treiben die Inhalte in die Enge und lenken vom Wesentlichen ab. Man stelle sich ein Theater vor, bei dem der Vorhang aufgeht und ein ergreifendes Drama beginnt – nur, was ist das? Da hängt oben in der Kulisse das imposante Logo des Theaters. Daneben ist in großen Lettern die ganze Zeit der komplette Titel des Dramas zu lesen. Unten direkt vor den Schauspielern zeigt eine große Digitaluhr durchgehend das Datum und die aktuelle Spielzeit an. Außerdem ist immer im Blick, in welchem Akt sich die Zuschauer gerade befinden. Und nebenan verkündet ein gut sichtbares Warnschild, dass die Inhalte der gerade laufenden Handlung urheberrechtlich geschützt sind. So würde jedes Drama zur Posse!
Noch einmal: Ja, ich weiß, dass heutzutage die meisten Masterfolien so wie oben aussehen. Aber weil es alle machen, muss es noch lange nicht richtig sein. Deshalb starte ich einen Aufruf: Entschlackt eure Masterfolien! Freiheit für die Inhalte!
Kommentare