Kurz vor Weihnachten ist das schriftliche Briefing für meinen letzten Konzeptionsjob 2009 auf dem Schreibtisch gelandet. „Wir, die Aktiengesellschaft ABC, positionieren uns als das führende Unternehmen der XYZ-Branche.“ Das steht da als Referenzpunkt für meine Arbeit. So einfach - und doch so nichtssagend. Vergleichbare Führungsansprüche finden sich übrigens in vielen Briefingpapieren. Anscheinend wollen alle in der Öffentlichkeit als die Größten, Stärksten und Besten dastehen. In der Praxis der Kommunikation führt ein solches Imponieransinnen jedoch nicht weit. Denn eine gute Positionierung bläht nicht die Backen auf, sondern lässt einen vertrauenswürdigen, unverwechselbaren Charakter erkennen.
Nur warum begegnet mir obiger schlichter Führungsanspruch immer wieder als zentrale Positionsbestimmung in Briefings? Ich habe dazu eine eigene These entwickelt. In meinem Buchregal steht ein schlaues Buch über traditionelle Symbole und ihre Bedeutung. In diesem Buch ist zu lesen, dass sich zu Urzeiten die Stämme mit Insignien der Stärke, Macht und Unbesiegbarkeit schmückten, um sich selbst Mut zu machen und den Gegner zu bannen. Viele Wirtschaftsakteure von heute scheinen nach einem ähnlichen Muster zu reagieren. Mir scheint, die heuristischen Faustregeln des Höhlenzeitalters leben auch in unserer modernen Hochtechnologiegesellschaft munter weiter. Positionierungen wie oben deuten jedenfalls in diese Richtung.
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