Er würde nie mehr Funkspots schalten, das rechne sich nicht, erklärt mir ein Kunde. Sein letzter Spot sei ein ziemlicher Flop gewesen. Dagegen habe die große Tageszeitungsanzeige vorletzte Woche fast doppelt so viele Besucher auf seine Website gespült. Deshalb wolle er in Zukunft nur noch auf das Medium Anzeige setzen.
Ich bin wirklich kein Fan von Funkwerbung, aber solch eine pauschale Ausgrenzung haben die Spots nun wirklich nicht verdient. Funkspots sind relativ flüchtige Werbeimpulse, die mit Bedacht und Konzept eingesetzt werden müssen:
- Wer in seinen Spot zeitlose Imageaussagen packt, spürt keine Resonanz. Das Radio eignet sich einfach nicht für die Imagepflege. Aktuelle Impulse, Ereignisse und schnelle Aktionen sind im Radio viel besser aufgehoben.
- Wer seinen Spot in einem Wortschwall ertränkt, darf sich nicht wundern, wenn die Resonanz absäuft. Das Ohr kann nur wenige Informationen verarbeiten und stellt schnell auf Durchzug. Deshalb sollte man sich nur auf eine einzige zentrale Kernaussage konzentrieren und die ohrgerecht inszenieren.
- Wer, um sich Gehör zu verschaffen, seinen Spot nach dem Motto „Laaauuuter und schriiiiller als alle anderen“ konzipiert, der wird nur auf taube Ohren stoßen. Denn er aktiviert beim Hörer das Hormon Cortison - und Cortison erzeugt Stress. Der Funkspot braucht eine Grundstimmung, die ins Ohr und nicht auf die Nerven geht. Wer sich auf das Funkspotmachen versteht, der versteht sich auch auf Pausen und Zwischentöne, auf Wechsel zwischen laut und leise.
- Wer meint, seinen Funkspot mit der Nennung einer Telefonnummer, einer E-Mail- oder Websiteadresse abschließen zu müssen, der überfordert die Hörer. Die sitzen im Auto, am Frühstückstisch oder in der Badewanne. Sie können und wollen sich keine Telefonnummern und Websiteadressen merken.
Meine These: Bei vielen Spot-Flops ist nicht das Instrument Hörfunkspot schuld, sondern die grottenschlechte Machart. Kein Kommunikationsmedium gebiert so viele Scheußlichkeiten wie der Werbeblock im Radio.
Kommentare