Ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit. Damals in den 60ziger Jahren hat meine Oma an Weihnachten immer gleich nach der Bescherung ihr Bügelbrett aufgestellt. Sie sammelte das gesamte Weihnachtspapier und die Geschenkbänder ein, um alles sorgsam zu bügeln. Dann wurden Papiere und Bänder in einen Pappkarton verpackt und im Kellerspint eingelagert. Nächsten Weihnachten kamen sie wieder zum Einsatz. So ging das Jahr für Jahr.
Auch morgen, Kinder wird´s was geben, denn morgen wird die Zeit umgestellt. Und pünktlich zur Umstellung fällt mir jedes Mal wieder die Weihnachtspapieraufbügelaktion meiner Oma ein. Denn man kann darauf wetten, drei Tage vor Umstellung kramen die Medien wie jedes Jahr die gleichen vergilbten Zeitumstellungsthemen hervor, bügeln sie auf und präsentieren sie uns als topaktuell. Gähn! Zeitumstellung erzeugt Müdigkeit, Zeitumstellung stört den Biorhythmus, Zeitumstellung spart keine Energie, Zeitumstellung erhöht die Zahl der Unfälle, Zeitumstellung schafft Aggression, Zeitumstellung schadet der Landwirtschaft. Das ist dann auch genau der kurze Augenblick, an dem die nahezu unbekannte Spezies der Chronoforscher für einige Stunden aus ihrer Zeitschleife auftaucht und die Nachrichten erobert.
Noch einmal zurück in die Zeit. Als 1980 erstmals die Sommerzeit eingeführt wurde, war ich in einer Wohngemeinschaft in Gelsenkirchen-Buer zu einer Sommerzeitparty eingeladen. Das war ein kleines Freudenfest. Ein Sieg über die kleinbürgerlichen „dunklen Mächte“, die im Sommer schon kurz vor 21:00 Uhr beim allerersten Anflug von Dämmerung mit demonstrativen Kraaaachbumm ihre Rollläden runterließen und gegen jedes Sommerleben auf den Straßen entschlossen opponierten. Für uns schien die Sommerzeit eine Art Befreiung zu sein, ein kleiner Sieg des mediterranen Lebensgefühls über den deutschen Michel.
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