Viele meiner Konzepte entstehen in einem gemeinsamen Workshop mit dem Auftraggeber. Im letzten Jahr ging ein Konzeptworkshop über die Bühne, der anders war als die anderen. Der Kunde hatte sich gewünscht, alle wichtigen Schritte des Konzepts nicht der Intuition zu überlassen, sondern der Mathematik. Für jeden strategischen Meilenstein gab es Benotungen durch die Workshopteilnehmer, die Noten wurden gewichtet, kumuliert und daraus dann Rangreihen gebildet. So gab es ein Ranking der Ziele und der Zielgruppen. Bei der Positionierung hatten wir mehrere alternative Vorschläge erarbeitet. Die Auswahl der passenden Positionierung wurde ebenfalls durch ein Ranking bestimmt. Auch die Botschaften ordneten wir in eine Rangliste ein. Ins Konzept kam nur die Top-Seven der möglichen Botschaften, alle anderen fielen durch das Raster. Ich hatte für den Workshop extra eine Maske in Excel gebastelt, um mir die viele Kopfrechnerei zu ersparen.
Das Berechnen der relevanten Konzept-Parameter gab den Teilnehmer ein sicheres Gefühl. Alles unter Kontrolle. Das Ergebnis bekam den Anstrich von Objektivität und Empirie, es schien kaum angreifbar und würde so auch in der Vorstandsetage bestehen.
Wie ich mich dabei gefühlt habe? Ziemlich beschissen! Es war eines der schlechtesten Konzepte, an denen ich je mitgewirkt habe. Kommunikation ist ein hoch komplexer und stark emotional aufgeladener Prozess. Entscheidend für den Erfolg ist qualitatives Abwägen und nicht quantitatives Abwiegen. Das Resultat unserer Arbeit war seltsam uninspiriert und ohne Einfühlungsvermögen. Aber was soll´s, den Kunden hat es glücklich gemacht.
Überhaupt nehmen mir in letzter Zeit die ganzen Rankings überhand. Alles und jedes wird in Ranglisten gezwängt. Es gibt Rankings für Staaten, Banken, Hochschulen, Krankenhäuser, Fluggesellschaften, Theater, Frühstückscafés, Fitnessclubs, Friedhöfe und vieles mehr. Und jeder nimmt die Resultate als Tatsache. Rankings regieren die Welt. Eine Diktatur der Einfalt.
Kommentare