Gerade als der Hochsommer Anlauf nahm, einen Temperaturrekord zu brechen, wurde ich zum „Strategie-Meeting“ in eine öffentliche Einrichtung eingeladen. Der Sitzungsraum hatte keine Klimaanlage und nirgendwo waren kalte Getränke zu entdecken. Ich nahm in der Runde Platz und saß auf dem Trockenen.
Mit der Zeit versiegte mein Speichelfluss und der Geschmack im Mund wurde unerträglich. Ich erwog, nach einem Glas Wasser zu fragen, aber brachte dann doch nicht den Mut auf. Schließlich saß ich zum ersten Mal in der Runde und fürchtete unangenehm aufzufallen. Allein es wurde immer schlimmer. Bald war mein Mund völlig ausgetrocknet und die Zunge blieb beim Sprechen oben am Gaumen kleben. Außerdem meinte ich zu spüren, wie mein Blut langsamer floss und mein Gehirn einen Gang herunterschaltete. Als in meinen Ohren schließlich ein leises Summen einsetzte, entschloss ich mich zu einer Verzweiflungstat. Ich tat so, als hätte ich auf dem Display meines Handys ein dringendes Gespräch entdeckt, sprang mit einer Geste der Entschuldigung auf, verließ eilends den Raum und stürzte durch den langen Gang bis zur Herrentoilette, die mir trotz ihres üble Geruchs als rettende Oase erschien. Der Wasserhahn erlöste mich von meinen Leiden, selten hat mir Leitungswasser einen solchen Genuss bereitet.
Letzte Woche stand wieder ein Termin in besagter Einrichtung an. Vorsichtshalber hatte ich mir eine Flasche Mineralwasser in die Tasche gepackt und vor der Tür präventiv noch einen großen Schluck getrunken. Am Rande der Besprechung fasste ich mir ein Herz und sprach einen der Mitarbeiter auf den Flüssigkeitsmangel an.
Hier kommt seine Geschichte (kein Märchen!): Die öffentliche Hand muss sparen. Also wurde eine Controller (klang in den Ohren der Mitarbeiter wie „Killer“) durchs Haus geschickt, mit dem Auftrag auch die verstecktesten Einsparmöglichkeiten aufzuspüren. So kam es, dass unter anderem auch der Budgetposten „Bewirtung“ auf der Streichliste landete. Es wurde entschieden, dass ab sofort nur noch für Gäste der Leitung und für ausländische Besucher Getränke und Kekse bereit gestellt werden. Allen anderen sollten gefälligst dursten. Den Mitarbeitern war das peinlich. Deshalb organisierten die Abteilungen die Bewirtung eine Zeit lang selbst und bezahlten aus eigener Tasche. Aber als dann zu allem Überfluss auch noch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld zusammengestrichen wurde, lief das Fass über. Seitdem ist aus dem Sitzungsraum ein Trockendock geworden.
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