Gerade ist die Internationale Funkausstellung zu Ende gegangen und ich bin wieder Mal nicht hingegangen. Dabei fällt mir ein, es ist genau 20 Jahre her, dass ich fast jeden Messetag auf der IFA 1991 zugegen war, weil ich damals die Präsentation der Deutschen Telekom konzeptionell mitgestaltet habe.
Rückblickend blieb die Telekom-Präsentation das einzige Mal, dass eines meiner Konzepte so was wie visionäre Kraft entwickelte. Aber der Visionär hat es bekanntlich schwer.
Ich hatte ein Konzept für die Präsentation von D1-Mobilfunk geschrieben. Auf der IFA war einer der ersten Auftritte von D1 in der Öffentlichkeit. Zu dieser Zeit lief das D-Netz noch nicht und mobil telefonieren konnte man nur über das sündhaft teure C-Netz. Pager galten als topmodern und die Telekom plante unter dem Markennamen „birdie“ Telefonzellen mit kleinen Sendern auszustatten, so dass man mit einem geeigneten Telefon nicht nur in, sondern auch vor der Zelle telefonieren konnte.
Die Telekom war eigentlich gar nicht so scharf darauf, sich mit D1 auf der IFA zu präsentieren, aber da Mannesmann D2 einen riesen Bühnenshow inszenieren wollte, konnte D1 nicht zurückstehen. An eine Show in der für die Präsentation vorgesehene Halle 1 war nicht zu denken, denn die Halle war frisch renoviert und stand unter Denkmalsschutz. Also musste ich mir was anderes einfallen lassen, um aufzufallen. Es wurden ein paar Studentinnen und Studenten mit schauspielerischen Ambitionen angeheuert und denen hat die Telekom dann jeder ein Handy in die Hand gedrückt. Da hatte man anno 1991 noch richtig was in der Hand. Speziell der schwarze „Knochen“ von Motorola wirkte wie ein Brikett zum Telefonieren. Ich hatte mir einfallen lassen, dass die Studenten einzeln durch die Hallen der IFA schlendern, immer mal wieder stehen bleiben, das Handy ans Ohr halten und laut und vernehmlich zu telefonieren anfangen. So etwa in dem Stil wie: „Hallo, Mama, nein, nein, keinesfalls, ich kann nicht zum Abendessen daheim sein, tut mir leid, das ist beim besten Willen nicht zu schaffen....“ oder: „Was du nicht sagst, habe ich gesagt. Und stelle dir vor, was er daraufhin gesagt hat. Unmöglich! Man kann das gar nicht laut sagen...“ - Es gab ein paar Grundregeln für die Gesprächsführung, aber ansonsten konnte jeder Mobiltelefonierer seinen imaginären Telefonaten freien Lauf lassen und so tun, als ob. Und was soll ich sagen, fast jeder Messebesucher blieb stehen und drehte sich nach diesen geschwätzigen Leuten mit den schwarzen Briketts am Ohr um.
Gleich am zweiten Messetag gab es jedoch eine böse Überraschung. Die meinungsführende Tageszeitung der Stadt hatte meine Mobilfunkinszenierung aufs Korn genommen und war darüber hergezogen. Dass diese redseligen imaginären Telefonate in aller IFA-Öffentlichkeit eine Belästigung und völlig neben der Realität seien. So würde kein vernünftiger Mensch je Mobilfunk nutzen. In Wirklichkeit versuche sich die Telekom mit dieser Aktion nur penetrant in den Vordergrund zu spielen.
Ich war nicht mit dabei, aber ich habe mir sagen lassen, dass sich daraufhin die Verantwortlichen der Telekom noch am gleichen Vormittag zu einer Krisensitzung getroffen und entschieden haben, meinem Telefonspuk ein abruptes Ende zu setzen. Die Studenten wurden nach Hause geschickt und damit hatte die liebe Seele Ruh...
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