Die ultimative Frage in jedem Konzept lautet: Wer sind meine Kommunikationsgruppen? Bei welchen Leuten will ich mich bemerkbar, verständlich und beliebt machen? Vor vielen, vielen Jahren hat man in diesem Kontext schlicht von „Zielgruppen“ gesprochen. Es gab sogar einen leidlich erfolgreichen TV-Moderator, der seine Zuschauer stets mit „Hallo Zielgruppen“ zu begrüßen pflegte. Nur irgendwann erschien es der Branche zu simpel, sie begab sich aufs Glatteis und brachte neue Gruppendefinitionen ins Gespräch. Mit dem Ergebnis, dass heute keiner mehr so richtig durchblickt. Okay, ich versuche mal, die wichtigen Gruppen halbwegs sauber voneinander abzugrenzen:
· Einflussgruppen – Das sind die Gruppen, die direkt oder indirekt Einfluss auf mein Unternehmen haben, ob mir das gefällt oder nicht. Sie gehören quasi „schicksalhaft“ zum Einflussfeld. Der Einfluss kann positiv oder negativ sein, er kann bewusst oder unbewusst erfolgen, er kann schwach oder heftig werden. Das kommt darauf an. Ich muss nicht alle Einflussgruppen von Gruppe A bis Gruppe Z in den Kommunikationsprozess einbeziehen, aber es empfiehlt sich, die Gruppen immer im Auge zu behalten, um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.
· Anspruchsgruppen – Hier geht es um Gruppen, die gegenüber meinem Unternehmen bewusst Ansprüche anmelden. Anspruchsgruppen greifen offensiv in die Kommunikation ein und üben teilweise erheblichen Druck auf das Unternehmen aus: Bürgerinitiativen, Gewerkschaften, Interessenverbände und so weiter. Es ist wichtig, jede relevante Anspruchsgruppe angemessen in meinen Kommunikationsprozess einzubauen. - Bisweilen werden die Begriffe Einflussgruppe und Anspruchsgruppe synonym verwendet. Vorsicht, die Grenzen sollten nicht verwischen! Zwar sind alle Anspruchsgruppen automatisch auch Einflussgruppen, aber viele Einflussgruppen haben nicht genügend Offensivkraft, um sich als Anspruchsgruppen zu etablieren. Anglophil veranlagte Kollegen benutzen für Anspruchsgruppen auch gern den Begriff „Stakeholder“.
· Zielgruppen – Mit „Zielgruppen“ definiere ich in meinen Konzepten alle, die ich mit der Kommunikationskampagne anpeile. Ich habe mir Botschaften für sie überlegt, habe reizvolle Kreativideen entwickelt und passgenaue Maßnahmen konzipiert. Ob ich die Zielgruppen am Ende tatsächlich erreiche, ist noch eine ganz andere Frage. Oft genug geht der Schuss ins Leere. - Der Begriff „Zielgruppe“ wird heutzutage von vielen belächelt. Manche behaupten sogar, es gäbe keine Zielgruppen mehr. Von mir aus! Ich greife gerne auf die „Zielgruppe“ zurück, denn sie ist ein Generalschlüssel, der immer funktioniert und von all meinen Kunden richtig verstanden wird.
· Dialoggruppen – Sobald ich mit meiner Kommunikation systematisch das Gespräch mit bestimmten Einfluss- oder Anspruchsgruppen suche, werden diese zu Dialoggruppen. Es reicht aber nicht aus, wenn ich nur im Fuß der Anzeigen meine E-Mail-Adresse abdrucke oder einmal im Jahr zum Tag der offenen Tür ein Gespräch mit den Kunden organisiere. Das ist noch lange kein Dialog und die Bezeichnung „Dialoggruppe“ verkommt zum Etikettenschwindel.
· Bezugsgruppen – Jetzt geht es weit über den schlichten Dialog hinaus. Ich versuche mit meiner Kommunikation, feste Beziehungen zu bestimmten Gruppen aufzubauen und langfristig zu pflegen. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe und nur mir viel kontinuierlicher und akribischer Arbeit zu erreichen. Dennoch wird in der Branche immerzu von Bezugsgruppen statt von Zielgruppen geredet, wahrscheinlich, weil es einfach besser klingt.
Ich find den Auftritt geil. Der Großteil meines Umfeldest (ebenfalls Studenten) sieht das wohl auch so. Aber: zviele Testis in der Werbung. Ja.
Kommentiert von: Tom | 16. Januar 08 um 21:19 Uhr