16. Januar 08

Stars in der Werbemanege

In meinem Konzeptionsseminar veranschauliche ich das Prinzip der kreativen Leitidee jedes Mal an einem aktuellen Beispiel. Die letzten beiden Male musste Olli Dittrich mit seinen Media Markt-Maskeraden herhalten. Sein schriller Auftritt verdeutlicht die Funktionsweise der kreativen Leitidee ganz gut.

Mir geht’s an dieser Stelle aber gar nicht um die Leitidee an sich. Ich will auf etwas anderes hinaus. In beiden Seminaren kam es nämlich unter den Studenten zu spontanen Unmutsäußerungen Olli Dittrich betreffend. Ein Student meinte: „Dass der für den Sauladen Media Markt Reklame macht, hat mich schwer enttäuscht.“ –Ein anderer fügte hinzu: „ Ditsche hat wohl dringend Kohle gebraucht!“ – Zustimmendes Gemurmel im Seminarraum. Der Werbeauftritt von Herrn Dittrich schien in diesem Kreis nicht gut anzukommen.

Das gibt mir zu denken. Ich frage mich, ob es zurzeit nicht zu viele Promis in der deutschen Werbemanege gibt. Ob  Dittsche und Kollegen nicht gewissenhafter und wählerischer mit ihren Werbeeinsätzen umgehen sollten?  Ob viele Werbeauftritte in letzter Konsequenz nicht Fehltritte sind, die das Image beim Publikum lädieren? Und ob ein üppiges Honorar das aufwiegen kann?

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Ich find den Auftritt geil. Der Großteil meines Umfeldest (ebenfalls Studenten) sieht das wohl auch so. Aber: zviele Testis in der Werbung. Ja.

07. Januar 08

Wenn das Bild nicht zur Botschaft passt

Ein Unternehmen lud zum „Zukunftsforum“ ein. Die groß angekündigte Veranstaltung sollte das moderne Selbstverständnis und das neue Leistungsspektrum in Szene setzen. Rund 100 Kunden, Geschäftspartner, Meinungsbildner und Medienvertreter waren gekommen. Ganz hinten in der vorletzten Reihe saß ich.

Der Vorstand führte durch die Präsentation und pries sein Unternehmen in hohen Tönen. Von zukunftsweisenden Konzepten und geschärftem Trendbewusstsein war die Rede. Die offensive High Tech-Strategie wurde beschrieben und die Dialogbereitschaft mit Kunden und Öffentlichkeit herausgestellt.

Alles war wohl formuliert. Es klang rund, was da auf dem Podium proklamiert wurde, nur konnten mich die Worte nicht überzeugen. Das Forum fand im Foyer des Unternehmens statt. Das Ambiente dort war in die Jahre gekommen und atmete das Flair (oder besser: den Mief) der fünfziger Jahre. Sehen so die zukunftsweisenden Konzepte und das Trendbewusstsein aus? Das dicke schwarze Kabelmikrophon koppelte ständig zurück und das Projektionsbild des Beamers blendete unten links „Bitte Projektorlampe auswechseln“ ein. Was ist daran Hightech? Als endlich die Gäste zu Wort kamen, war die Zeit hoffnungslos überzogen und das gemeinsame Gespräch wurde kurzerhand abgewürgt. Wie passt das zur Dialogbereitschaft?

Die Worte des Vorstands wollten vorne und hinten nicht zu Kulisse und Rahmenhandlung passen. Das Gesagte erreichte zwar meinen Verstand, aber mein Unterbewusstsein erlebte etwas ganz anderes. Und dieser Widerspruch gewann schnell die Oberhand und dominierte den Gesamteindruck.

Am Ende war für mich das „Zukunftsforum“ ein Exempel für misslungene Kommunikation. Der Lehrsatz heißt: Der Gesamteindruck schlägt ins Negative um, wenn es nicht gelingt, Botschaft und Bilder der Kommunikation in Einklang zu bringen. Schon kleine Widersprüche können den Gesamteindruck zerstören. Dieser Satz gilt nicht nur für Veranstaltungen, sondern auch für Anzeigen, Broschüren, Werbebriefe, Weblogs, Pressemitteilungen, Messestände…und…und….und.

31. Dezember 07

Ein Hauch von Romantik

Zwischen den Jahren sitze ich viel auf dem Sofa, trinke Tee und schmökere in einem Buch, das Weihnachten auf meinem Gabentisch lag. „Romantik – eine deutsche Affäre“ heißt das Werk und laut Spiegel gehört es momentan zu den Bestsellern.

Eine der zentralen Passagen des Buches ist ein Zitat von Novalis: „Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“

Dieser Satz klingt lange nach und ein Gedanke drängt sich mir auf. In diesem Sinne sind wir Werbeleute die Romantiker der Neuzeit, denke ich. Denn was tun wir anders, als mit unseren Worten und Bildern die Wirklichkeit zu überhöhen. Wir laden banale Produkte mit hohem Sinn auf, geben ihnen ein geheimnisvolles Ansehn und die Würde des Unbekannten.

17. Dezember 07

Kein Weihnachtsmärchen

Wie aus gut informierten Kreisen verlautet, plant der Weihnachtsmann nach eingehender Strategieberatung durch ein internationales Consulting-Unternehmen, das Weihnachtsfest weitgehend zu professionalisieren. Als zentrale Maßnahme wird über die baldige Einführung eines Copyrights für den Begriff Weihnachten und die Symbolfigur des Weihnachtsmannes nachgedacht. „Wir wollen aus Weihnachten eine starke Marke machen“, heißt es dazu aus dem Umfeld des Weihnachtsmannes. Die rein private Nutzung von Weihnachten soll weiterhin kostenfrei bleiben. Für jegliche Art von gewerblicher Nutzung dürften in naher Zukunft teure Lizenzgebühren fällig werden. Zusätzlich soll großen Markenartikelunternehmen die Option geboten werden, einen Nutzungsvertrag als „exklusiver Partner des Weihnachtsmannes“ abzuschließen. Nicht namentlich genannte Experten rechnen mit jährlichen Lizenzeinnahmen in mehrstelliger Milliardenhöhe. Zurzeit wird ein Pool von Rechtsanwälten engagiert, um die Einhaltung der Lizenzbestimmungen zu überwachen. Eine erste massive Abmahnwelle schon in der nächsten Adventszeit kann nicht ausgeschlossen werden.

Um das Management der Urheberrechte effizient steuern zu können, ist die Gründung einer Corporate Christmas Holding mit Sitz im Brandenburgischen Himmelpfort in Vorbereitung. Sogar ein baldiger Börsengang wird nicht ausgeschlossen. Wie zu erwarten, reagierte die Frankfurter Börse auf diese Aussichten ausgesprochen euphorisch. Die Kurse zogen gestern kräftig an. Ein großes Nachrichtenmagazin spekuliert daraufhin in seiner heutigen Online-Ausgabe, dass der Weihnachtsmann höchstwahrscheinlich schon zum Ende des Jahrzehnts Sergey Brin, Larry Page und Bill Gates auf der Liste der reichsten Männer überholt haben dürfte.

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In Finnland ist ihr ironisch geschriebener Text schon Realität…

http://www.santaclausplaza.com/service.cntum?pageId=107433

Viele Gruesse aus Helsinki!

07. Dezember 07

Meine Zielgruppe - das unbekannte Wesen

Die ultimative Frage in jedem Konzept lautet: Wer sind meine Kommunikationsgruppen? Bei welchen Leuten will ich mich bemerkbar, verständlich und beliebt machen? Vor vielen, vielen Jahren hat man in diesem Kontext schlicht von „Zielgruppen“ gesprochen. Es gab sogar einen leidlich erfolgreichen TV-Moderator, der seine Zuschauer stets mit „Hallo Zielgruppen“ zu begrüßen pflegte. Nur irgendwann erschien es der Branche zu simpel, sie begab sich aufs Glatteis und brachte neue Gruppendefinitionen ins Gespräch. Mit dem Ergebnis, dass heute keiner mehr so richtig durchblickt.  Okay, ich versuche mal, die wichtigen Gruppen halbwegs sauber voneinander abzugrenzen:

·         Einflussgruppen – Das sind die Gruppen, die direkt oder indirekt Einfluss auf mein Unternehmen haben, ob mir das gefällt oder nicht. Sie gehören quasi „schicksalhaft“ zum Einflussfeld. Der Einfluss kann positiv oder negativ sein, er kann bewusst oder unbewusst erfolgen, er kann schwach oder heftig werden. Das kommt darauf an. Ich muss nicht alle Einflussgruppen von Gruppe A bis Gruppe Z in den Kommunikationsprozess einbeziehen, aber es empfiehlt sich, die Gruppen immer im Auge zu behalten, um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.

·         Anspruchsgruppen – Hier geht es um Gruppen, die gegenüber meinem Unternehmen bewusst Ansprüche anmelden. Anspruchsgruppen greifen offensiv in die Kommunikation ein und üben teilweise erheblichen Druck auf das Unternehmen aus: Bürgerinitiativen, Gewerkschaften, Interessenverbände und so weiter. Es ist wichtig, jede relevante Anspruchsgruppe angemessen in meinen Kommunikationsprozess einzubauen. - Bisweilen werden die Begriffe Einflussgruppe und Anspruchsgruppe synonym verwendet. Vorsicht, die Grenzen sollten nicht verwischen! Zwar sind alle Anspruchsgruppen automatisch auch Einflussgruppen, aber viele Einflussgruppen haben nicht genügend Offensivkraft, um sich als Anspruchsgruppen zu etablieren. Anglophil veranlagte Kollegen benutzen für Anspruchsgruppen auch gern den Begriff „Stakeholder“.

·         Zielgruppen – Mit „Zielgruppen“ definiere ich in meinen Konzepten alle, die ich mit der Kommunikationskampagne anpeile. Ich habe mir Botschaften für sie überlegt, habe reizvolle Kreativideen entwickelt und passgenaue Maßnahmen konzipiert. Ob ich die Zielgruppen am Ende tatsächlich erreiche, ist noch eine ganz andere Frage. Oft genug geht der Schuss ins Leere. - Der Begriff „Zielgruppe“ wird heutzutage von vielen belächelt. Manche behaupten sogar, es gäbe keine Zielgruppen mehr. Von mir aus! Ich greife gerne auf die „Zielgruppe“ zurück, denn sie ist ein Generalschlüssel, der immer funktioniert und von all meinen Kunden richtig verstanden wird.

·         Dialoggruppen – Sobald ich mit meiner Kommunikation systematisch das Gespräch mit bestimmten Einfluss- oder Anspruchsgruppen suche, werden diese zu Dialoggruppen. Es reicht aber nicht aus, wenn ich nur im Fuß der Anzeigen meine E-Mail-Adresse abdrucke oder einmal im Jahr zum Tag der offenen Tür ein Gespräch mit den Kunden organisiere. Das ist noch lange kein Dialog und die Bezeichnung „Dialoggruppe“ verkommt zum Etikettenschwindel.

·         Bezugsgruppen – Jetzt geht es weit über den schlichten Dialog hinaus. Ich versuche mit meiner Kommunikation, feste Beziehungen zu bestimmten Gruppen aufzubauen und langfristig zu pflegen. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe und nur mir viel kontinuierlicher und akribischer Arbeit zu erreichen. Dennoch wird in der Branche immerzu von Bezugsgruppen statt von Zielgruppen geredet, wahrscheinlich, weil es einfach besser klingt.

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Sehr interessant die Unterteilung. Odermatt und Frank haben in einem Arbeitspapier (Integrierte Unternehmenskommunikation)unter Bezugsgruppen die Zielgruppen, Anspruchsgruppen und Teilöffentlichkeiten bzw. Kommunikationsarenen (PR) zusammengefasst. Auch eine Variante das herrschende Begriffs-Wirr-Warr zu ordnen, wie ich finde. Was ich mich frage ist: Wo zieht man die Linie zwischen Dialoggruppe und Bezugsgruppe? Diese Trennung finde ich etwas schwierig, zumindest für die Praxis, da ein Bezug und eine Beziehung schon während eines Dialoges gegeben ist und ein Unternehmen auch schon vom Dialog profitiert. Das könnte etwas genauer, evtl. mit einem Beispiel ausgeführt werden. Ansonsten, vielen Dank für den Gedankengang :-)

Ich sehe auch die institutionelle Kommunikation (=Werbung, PR etc.) immer als einen sozialen Akt. Zur Kommunikation als sozialer Akt gehören unlösbar das „Miteinander reden“ und das „in Beziehung stehen“. Dialog und Beziehung sind - da haben Sie völlig recht - auf jeden Fall eng verzahnt, überlagern und ergänzen sich. Ein Dialogkonzept baut immer auch Bezüge auf und ein Beziehungskonzept beinhaltet immer auch Dialogelemente.
Dennoch gibt es für mich erkennbare Unterschiede zwischen dialogorientierten und beziehungsorientierten Konzepten in der Kommunikation:
• Ein Konzept, das aktiv in den Dialog geht, ist bei mir oft kurz- bis mittelfristig angelegt. Die Ansprache und Pflege von Bezugsgruppen dagegen läuft zumeist eher stabil und auf langfristige Sicht.
• Die Bezugsgruppenkommunikation bezieht stark das affektive Moment (emotionale Bindung) ein, während für die Dialoggruppen das argumentative Moment (inhaltliches Verständnis) im Vordergrund steht.
• Die Kommunikation in Richtung Dialoggruppen hat in meinen Konzepten vorrangig strategische Aufgaben wie „Informationsinhalte vermitteln, Akzeptanz sicherstellen, Verhalten ändern“. Bei Bezugsgruppen geht es mehr in Richtung „Loyalität stärken, Vertrauen aufbauen, Partnerimage etablieren“.
• In der Folge unterscheidet sich dann auch die Umsetzung. Eine dialogführende Kampagne sieht in der Zusammensetzung der Maßnahmen anders aus als eine Kampagne, die sich auf Beziehungen konzentriert.
Ich versuche den Unterschied, an zwei Beispielen zu verdeutlichen. Eine Gesundheitsorganisation will eine bestimmte Gruppe von Gesundheitsgefährdeten aufklären und ihr Verhalten ändern. Die Gesundheitsgefährdeten sind Dialoggruppe. Die Organisation veranstaltet eine 6-monatige Tournee mit Gesprächsforen in 42 deutschen Städten. Viele Betroffene kommen vor Ort und reden mit. Wer keine Zeit hat, kann seine Fragen auch per Internet stellen. Außerdem ist während der Tournee ein Beratungstelefon geschaltet. Nach den 6 Monaten ist die Aufklärungskampagne beendet und keine weiteren Maßnahmen sind geplant. Es wurde ein nützlicher Dialog geführt und aufgeklärt. Aber es wurden eigentlich keine stabilen Beziehungen aufgebaut, das hätte die Organisation personell und finanziell auch gar nicht leisten können.
Zweites Beispiel. Eine private Hochschule will ehemalige Studenten ansprechen und sie als treue Unterstützer der Schule gewinnen und emotional binden. Die Ehemaligen sind Bezugsgruppe. Die Beziehungskommunikation ist erst einmal auf 5 Jahre angelegt. Jedes Jahr wird zukünftig eine tolle Party für Ehemalige veranstaltet. Alle Studenten bekommen zu Weihnachten einen persönlichen Gruß. Mit einem Newsletter werden sie regelmäßig über das Geschehen an der Hochschule informiert. Ein Mal im Jahr wird als Höhepunkt „der Ehemalige des Jahres“ gewählt. In diesem Fall werden vorrangig Beziehungen aufgebaut und immer wieder stimuliert. Zwar gibt es auch in diesem Kontext einige Dialogmaßnahmen, aber das ist kein Widerspruch, denn um nachhaltig Beziehungen aufzubauen, braucht man unbedingt einen guten Dialog.
Beantwortet das so halbwegs Ihre Frage? Auf jeden Fall habe ich mich über Ihren Kommentar gefreut. Endlich mal wieder ein Beitrag, der mir zu denken gegeben hat.

Vielen Dank für die ausführliche Antwort, inklusive der anschaulichen Beispiele.Sie haben meine Frage damit mehr als beantwortet.

01. Dezember 07

Maßnahmen sind keine Einzelgänger

Letzte Woche habe ich an dieser Stelle über die Tücken der konzeptionellen Maßnahmenplanung nachgedacht. Siehe unten. Dazu fällt mir noch eine Begegnung ein. Ich saß mit einem meiner Kunden im Starbucks auf der Friedrichstraße und er berichtete von seiner gerade abgeschlossenen Kampagne. Der gute Mann hatte alles auf eine Karte gesetzt und fast seine gesamten Etatmittel fürs Jahr in eine Direktmailingkampagne investiert. Hunderttausende von potentiellen Kunden wurden per Werbebrief persönlich angeschrieben. Die Resonanz war niederschmetternd. Der Response (= Anzahl der Interessenten, die anriefen oder den Antwortcoupon ausfüllten) lag bei mageren 4 Promille.  Das ist zwar kein Totalverlust, aber verdammt nahe dran.

Und die Moral von der Geschichte: Man sollte in der Umsetzung seiner Kommunikationsstrategie nie Vabanque spielen und alles auf eine einzige große Maßnahme setzen.  In Zeiten der kommunikativen Reizüberflutung ist eine solche Monokonzentration brandgefährlich. Die Kommunikation ist keine empirische Wissenschaft, der Zufall spielt eine große Rolle und sorgt immer wieder für  Überraschungen. Darum ist es ratsam, stets mit einem Netz von Mitteln und Maßnahmen die Aufmerksamkeit der Zielgruppen einzufangen. Es gibt mehrere operative Kommunikationsknoten, die eng  miteinander verbunden sind und sich synergetisch verstärken. Fällt ein Knotenpunkt aus, dann springen die anderen ein und gleichen aus.

22. November 07

Der Prickelfaktor der Maßnahmen

Alles dreht sich ums Konzept – wie immer in diesem  Blog. In jedem vernünftigen Konzept kommt zuerst die Analyse, daran schließt sich die Strategie an. Aus der strategischen Linie leitet man die geeigneten Maßnahmen ab.

Gerade lese ich den gut 30 Seiten langen Maßnahmenteil eines Konzepts zur Verbandskommunikation, oder besser: ich quäle mich durch. Die vorgeschlagenen Maßnahmen beschreiben die Handlung der Kommunikation, und ehrlich gesagt, im vorliegenden Konzept ist die Handlung langweilig. Viele, viele Maßnahmen, die üblichen Standards, gleichförmig angeordnet, ohne Akzente und kreative Inspirationen. Ein zugkräftiges Maßnahmensystem sieht anders aus.

Nimm  vier. Es reichen eigentlich vier Faustregeln, um die Monotonie im Maßnahmenteil des Kommunikationskonzepts ein für alle Mal zu überwinden:

·         Jeder guter Maßnahmenteil hat viele  gute Ideen verdient. Maßnahmen sind wertvolle Unikate. Sie müssen prickeln und überraschen. Es darf keinen Schablonen und langweiliges Normalmaß geben.

·         Jeder guter Maßnahmenteil braucht echte Highlights. Das sind wenige markante Maßnahmen, die herausragen, als Energiebündel wirken und Spannung bei den Zielgruppen erzeugen.

·         Jeder guter Maßnahmenteil hat System. Kein isolierten Einzelmaßnahmen auflisten, nie. Alles muss vernetzt sein. Ein gutes Konzept gewinnt erst durch kluge Verbindungen der Maßnahmen die nötige Spannkraft und Tragweite.

·         Jeder guter Maßnahmenteil läuft wie geschmiert auf der Schiene der Strategie. Keine Maßnahme  darf entgleisen und ein Eigenleben entwickeln. Alle  fahren auf die strategische Linie ab.

15. November 07

Richtig Schlussmachen ist schwer

Erst gestern ist es mir wieder sauer aufgestoßen. Am Ende einer ansonsten gelungenen Konzeptpräsentation hatte der Vortragende nicht viel mehr zu bieten, als eine Folie auf der groß und breit „Vielen Dank!“ stand. Eine solche Dankesfolie ziert den Schluss zahlreicher Präsentationen. Mal heißt es „Dankeschön für ihre Aufmerksamkeit!“ Ein ander Mal: „Herzlichen Dank und ein erfolgreiches Seminar“. Das nächste Mal dann: „Vielen Dank! Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“. Na, Dankeschön, wie einfallsreich! Fällt den Präsentierenden nichts Besseres sein? Muss das Finale wirklich so flach auslaufen?

Blogdank

       

Der Schluss ist ein dramaturgisch prägender Moment jeder Konzeptpräsentation. An dieser Stelle sollte man nicht mit einer formalen Floskel den Vortrag verläppern lassen, sondern mit Einfallsreichtum einen „merk-würdigen“ Schlussakkord setzen. Das kann ein passendes Zitat sein. Oder eine ungewöhnliche Werbemittelidee, die man sich als Bonbon für die Schlussfolie aufhebt. Vieles ist möglich, nur eins finde ich ziemlich unmöglich: Vielen Dank!

08. November 07

Wirb´die Hälfte!?

Unsere Informationsgesellschaft droht in der großen Kommunikationsflut zu ertrinken, der Pegelstand steigt und die Menschen haben die Schotten längst dicht gemacht. Werbung, PR und die anderen Kommunikationsdisziplinen kämpfen mit aller Macht, um für sich den letzten Zipfel Aufmerksamkeit zu retten. Mit immer weniger Aussicht auf Erfolg, denn was zu viel ist, ist zu viel.

Was lässt sich gegen die Misere tun? Die Experten sind ratlos. Ich nicht! Für mich ist das eigentlich ganz einfach und naheliegend. Meine Fluthilfe lautet: Wirb die Hälfte!

Wer die Kommunikationsüberflutung dadurch bewältigen will, dass er die Werbeschwemme immer noch weiter vergrößert und die Augen und Ohren immer noch lauter, bunter und massiver überschwemmt, der steuert langsam aber unaufhaltsam auf den Untergang zu.

Für Unternehmen und Institutionen  ist es daher an der Zeit, ihren Kommunikationsüberdruck zurückzunehmen und endlich mit Ruhe und Klugheit zu kommunizieren. Quantität in Werbung und PR muss durch Qualität ersetzt werden. Die Kommunikation der Zukunft geht nicht über Masse und Macht, sondern über Klasse und Präzision.  Erst mit einer intelligent konzipierten Ansprache wird das kakophonische kommunikative Grundrauschen zurückgehen, Aufmerksamkeit und Interesse können sich erholen.  Mit sinkendem Pegelstand der Reizüberflutung steigen dann auch wieder  die Beachtungserfolge und der Wirkungsgrad der Kommunikation.

Wirb´ die Hälfte? Wäre schon schön, aber daraus wird nichts! Denn sobald ich diesen Vorschlag in irgendeiner Brancherunde zu Gehör bringe, wird er sofort als „völlig unrealistisch“ in der Luft zerrissen. Der Grund dürfte auf der Hand liegen: Medien, Agenturen, Druckereien, Lettershops, Promoter, Werbefilmproduzenten – sie alle verdienen kräftig an der Überdosis Kommunikation und  keiner ist bereit, sich an die eigene goldene Nase zu fassen.

26. Oktober 07

Mein neues Buch: Professionelles Briefing

Eb5491 Seit vielen Jahren vergeht kaum eine Arbeitswoche, in der ich nicht mitten in irgendeinem Briefing stecke. Für meine Arbeit sind Briefings so alltäglich wie für die Piloten Start und Landung. Da war es nur naheliegend, dass ich ein paar Sommerwochenenden opfere und meine Erfahrungen zu Papier bringe. Vor allem, weil auf keiner Etappe der konzeptionellen Arbeit so viel Mist gebaut wird wie auf der Briefingstrecke. Nicht selten sitze ich über Briefingpapieren und komme mir vor wie ein Ägyptologe über einer Papyrus-Rolle mit Hieroglyphen. Kleine Kostprobe gefällig? Bitte schön! „Die Markenpositionierung ist für Sie bindend: Unser Unternehmen ist einzigartig!“ So verkündet das aktuelle Briefing eines großen deutschen Unternehmens und bleibt auch im weiteren Text herrlich unkonkret. Was soll man da tun? Ich würde sagen: Mein neues Buch lesen. Denn da beschreibe ich, was zu tun und zu lassen ist, damit aus dem Sprungbrett Briefing keine Stolperfalle wird. Und warum ist ein professionelles Briefing genau das Wichtige? Ich würde sagen, weil eine Grundregel felsenfest und unumstößlich ist: Ein Konzept kann nur so gut sein wie das Briefing.

Professionelles Briefing – Marketing und Kommunikation mit Substanz

Verlag BusinessVillage Göttingen

Oktober 2007

12o Seiten, 21,80 Euro