Eine Vortragsveranstaltung fast nur mit Best Practise-Beispielen liegt hinter mir. Aufschlussreich? Nein, eher nicht. Ich kam mir vor wie in einer heiligen Messe für die Kommunikationsbranche. Viele der Kampagnenpräsentationen rochen arg nach Selbstbeweihräucherung. Eine Kampagne wurde grandioser als die andere zelebriert. Fehler? Fehlanzeige. Probleme? Nur, um vom Kampagnenteam entschlossen überwunden zu werden. Was lernen wir daraus? Also ich habe für mich daraus gelernt, dass Veranstaltungen (...und Bücher) mit geballter Best Practise-Ladung vertane Zeit sind.
Ich kann es nicht beweisen, aber irgendwie kam in mir der Verdacht auf, dass viele der vorgestellten Fälle ein wenig manipuliert wurden. Hier ein paar Ecken und Kanten rundgeschliffen, dort ein paar Haken und Ösen weggelassen. Manche Kampagne dürfte in Wirklichkeit mittelmäßig gelaufen sein, aber mit ein wenig Botox aufgespritzt, wirkte sie plötzlich bewundernswert genial und straff.
Ich fordere: Schluss mit der Best-Practise-Verehrung! Im richtigen Maß mit dem nötigen Sachverstand sind Best Practise-Präsentationen durchaus sinnvoll, aber was da seit einigen Jahren in Szene gesetzt wird, ist einfach zu viel des Guten. Ich wünsche mir in Zukunft mehr Fallbeispiele, die authentisch dargestellt werden, auf dem Boden der Tatsachen stehen und sich zu Fehlern und Widrigkeiten bekennen. Und hin und wieder möchte ich auch Projekt- und Kampagnenbeispiele kennenlernen, die gescheitert sind und erfahren warum. Das wäre erfrischend - und lehrreich.